von Leonie Reuter (Kommentare: 2) in Kategorie » Gran Canaria «

Gran Canaria Wandern: Berge, Meer und ein einsamer Strand

Gran Canaria bietet dem Besucher nicht nur Sonne, Strand und Meer. Sondern, was vielleicht viele Touristen, die ihren Urlaub in den großen Bettenburgen an der Küste verbringen, gar nicht wissen, auch beeindruckende Berge und Schluchten. Gelegenheit eine faszinierende Bergwanderung mit einem Strandaufenthalt zu kombinieren, bietet eine ganz besondere Wanderung durch das Naturschutzgebiet von Güi-Güí. Abseits von den Menschenmassen in Maspalomas führt die Wanderung über einen Bergsattel durch den Barranco zum einsamen Strand von Güi Güí. Zu diesem Strand kann man nur mit dem Boot oder auf kleinen Pfaden über die Berge gelangen. Auf den schmalen Gebirgspfaden und durch den Barranco kann der Wanderer unmittelbar auf den Spuren der Altkanarier wandern.

Da ich gehört hatte, dass diese Wanderung wegen der steilen Anstiege und der Sonne, die während der gesamten Wanderung auf die Wanderer herab scheint, recht anstrengend sein soll, beschlossen wir sehr früh am Morgen aufzubrechen. Wir fuhren mit dem Pkw in den kleinen Ort Tasártico, der auf der Westseite der Insel zwischen San Nicolás und Puerto de Mogán liegt. Von der Inselringstraße GC-200 führt eine schmale Straße den Barranco Tasártico herunter Richtung Meer. Zunächst passierten wir den kleinen Weiler (Casas Blancas) und sahen dann weiter unten bereits den Ort Tasártico vor uns liegen. Menschen waren auf den Straßen oder vor den Häusern zunächst nicht zu entdecken. Der Ort mit seiner kleinen Plaza wirkte fast wie ausgestorben. Doch dann sahen wir in der Ferne einige Arbeiter auf dem Feld und hörten auch Arbeitslärm aus einigen Gewächshäusern, die überall in dem geschützten Tal zu finden sind.

Die offizielle Straße endet in Tasártico und geht in eine Schotterpiste über. Nachdem der Wagen in Tasártico am Wegesrand unter einem schattigen Baum abgestellt war, ging es zu Fuß auf der Schotterpiste Richtung Strand weiter. Während wir auf der Schotterpiste ungefähr einen Kilometer entlang gingen, fuhren einige geländetaugliche Wagen an uns vorbei. Doch den Insassen der Geländewagen war anscheinend nicht nach Wandern zu Mute. Die Wagen fuhren an uns vorbei und Verschwanden hinter ihren Staubwolken Richtung Meer. So waren wir an dem Tag die einzigen Wanderer, die den Weg zum Strand über die Berge suchten.
Ein Wagen hätte uns an dieser Stelle auch nicht mehr weiter helfen können.

Denn rechts von der Schotterpiste ging es hinter einem Gewächshaus steil den Hang empor. Verfehlen konnten wir den Pfad nicht, da dieser – wie die meisten Wanderpfade auf den kanarischen Inseln – gut mit Steinmännchen gekennzeichnet war.
Von der Piste bis zum Pass de Aguas Sabinas geht es über 300 Höhenmeter hoch. In Tasártico hatten wir bereits eine Höhe von 235 Metern und stiegen von dort trotz des immer noch frühen Morgens in der gleißenden Sonne bis zur Degollada de Aguas Sabinas auf 547 Meter hoch. Zunächst ging es noch moderat in einigen weiten Serpentinen um Felsen und Taleinschnitte herum. Rechts und links von uns sahen wir große Felsmassive in den Himmel ragen. Je höher wir stiegen, umso enger wurden das Tal und der uns in die Höhe führende Weg. Die letzten 20 Minuten trieben uns den Schweiß auf die Stirn, denn es ging bis zum Pass richtig steil empor.

Doch nach gut einer Stunde hatten wir es geschafft. Wir standen auf der Einsattelung der Degollada de Aguas Sabinas und genossen den faszinierenden Ausblick auf die um rechts und links neben uns aufragenden Felsmassive und auf das vor uns liegende Meer. Obwohl es uns herunter an den Strand drängte, mussten wir dort oben einfach eine kleine Pause einlegen und den fantastischen Ausblick auf uns wirken lassen. Auch das mitgebrachte Wasser tat nach diesem steilen Anfangsaufstieg gut. Ich kann nur jedem Wanderer empfehlen, sich für diese Tour mit ausreichend Wasser zu versorgen, denn am Wegesrand liegen weder Supermarkt noch Bar.

Die nächsten 1,5 bis 2 Stunden ging es dann nach diesem anstrengenden Aufstieg erst einmal ganz entspannt weiter. Auf einem wunderschönen Panoramaweg führt der kleine Pfad zunächst auf gleicher Höhe und dann in zahlreichen Serpentinen ständig bergab. Der Weg verläuft weiter durch den felsigen und eher kargen Barranco von Güi-Güí Richtung Meer. Nur im Barrancogrund wird es mit Palmengewächsen und vielen Kakteen ein wenig grüner. Wir kamen an Ruinen vorbei und durchquerten das Tal des Barrancogrundes Danach hielten wir uns fortwährend auf der rechten Hangseite.

Der Weg führte in Windungen am Hang entlang und passierte ungefähr einen Kilometer vor Erreichen des Strandes eine einsame Finca. Wir hörten Hunde bellen und hielten unseren eigenen Hund eng an der Leine. Ein mitgeführter Hund kann auf fremdem Gelände schnell zu Ärgernissen mit Finca Besitzern führen.

Doch dann entdeckten wir, dass der Finca Besitzer an einer übersichtlichen Stelle ein Schild mit einem Hinweis auf den Strand angebracht hat. So fanden wir den Weg zum Strand und konnten zugleich die Finca weiträumig umgehen. Der Salzgeruch und das Rauschen des Meeres signalisierten uns, dass der Strand nun nicht mehr weit sein konnte. Der letzte Teil des Weges führte durch das Tal. Zu unserem Erstaunen entdeckten wir dort in der Einsamkeit noch ein zweites Haus, an dem wir dieses Mal unmittelbar vorbei gingen. Die letzten Meter nach dem Haus ging es sofort recht steil an der Küste hinunter.

Und dann waren wir da. Ein langer einsamer Strand mit feinem Sand erwartete uns. An diesem Strand konnte sogar unser Hund – was ansonsten auf den kanarischen Inseln verboten ist – bedenkenlos frei laufen. Wir ließen unsere Rucksäcke in den Schatten fallen und genossen zu allererst ein ausgiebiges Bad im Atlantik.

Der Wanderweg endet am sogenannten großen Strand von Güi Güí. Gleich daneben in der Nachbarbucht liegt nördlich der nur eine Felsnase vom Güi-Güí Grande getrennte Strand Güi Güí Chico. Die Verbindung beider Strände funktioniert zu Fuß nur bei Ebbe. Dann kann man problemlos von einem zum anderen Strand hinüberwaten. Der Güi-Güí Chico ist mit seinen 850 Metern Länge mehr als doppelt so lang, wie der Güi Güí Grande. Beide Strände sind umgeben von einem ca. 300 Meter hohen Kliff, das zu jeder Tageszeit am Rand des Strandes ein wenig Schatten spendet. Im Winter wird häufig der Sand von den Stränden abgetragen, die dann allein mit großen Kieselsteinen bedeckt sind. Zum Frühjahr wird der Sand dann wieder angespült.

Nachdem wir den langen Sandstrand mit seinen 350 Metern einmal von Süd- nach Nord durchmessen hatten und feststellten, dass zu der Zeit ein Herüberwandern zu dem anderen Strand wegen der Tide nicht möglich war, ließen wir uns im Schatten nieder und schauten uns ein wenig genauer um. Bevölkert war dieser Strand wirklich nicht. Die beiden Güi-Güí Strände sind tatsächlich noch vom Massentourismus vollkommen unberührt. Aber ganz allein waren wir auch nicht. In den Nischen am Rand des Strands unter der hoch aufsteigenden Steilküste waren an verschiedenen Stellen einige kleine Zelte aufgebaut. Da sich neben den Wohnzelten, kleine Lager- oder Proviantzelte befanden, war schnell klar, dass hier nicht nur für einen Tag gecampt wird.

Das Naturschutzgebiet von Güi-Güí war bereits in den 60ger und 70ger Jahren mit seinen zwei Stränden ein beliebter Ort für Hippies. Eine kleine Kolonie von Aussteigern soll hier über einen längeren Zeitraum gelebt haben. Da keinerlei hier keinerlei Infrastruktur – außer den zwei Fincas – vorhanden ist, muss bei einem längeren Verweilen bis heute alles das, was der Mensch so zum Leben braucht, hierher getragen werden. Allein das Wasser für einige Tage fällt dabei nicht unerheblich ins Gewicht.
Da uns der einladende Strand außerordentlich gut gefiel, blieben wir ein paar Stunden und genossen die Ruhe, die Einsamkeit und die Natur. Dabei lernten wir auch einige der momentanen Zeltbewohner kennen.

Zwei junge Paare erzählten uns, dass sie gemeinsam einige Wochen an diesem Strand verbringen würden und dass bei den wenigen Menschen hier, sehr schnell jeder jeden kennen würde. Von Zeit zu Zeit würden jeweils zwei von ihnen den Weg in die Zivilisation antreten, um auf der anderen Seite der Degollada de la Agua die benötigten Lebensmittel einzukaufen. Ja, auch das gemeinsame Wasser müsse hierher gebracht werden. Dann erfahren wir, dass es von Zeit zu Zeit wohl Lebensmittel zum Kauf am Nachbarstrand geben solle, wenn dort ein kleiner privater Verkaufsshop in der Strandkolonie seine Waren anbieten würde. Doch im Moment wären die Vier auf sich selber und ihre Muskelkraft gestellt.

John, wie der eine der jungen Männer heißt, erzählte uns, dass die Vier auf eine Rundreise über die kanarischen Inseln seien. Zunächst wären sie im Valle Gran Rey auf La Gomera gewesen. Das hätten sie allerdings nicht mehr so unberührt vorgefunden, wie sie es sich erhofft hätten. Hier nun hätten sie ihren einsamen Strand fern ab vom Massentourismus gefunden. Erfahren hätten sie von diesem Strand durch junge Spanier. Denn an Wochenenden oder Feiertagen ist dieser Strand ein beliebter Treffpunkt für die jungen Kanarier, die gerne für einige Stunden der Zivilisation entfliehen.
Doch dann erzählte John weiter. „Wir wissen alle, dass an sich das Wildcampen hier untersagt ist und die Polizei, die Guardia Civil, auch des Öfteren mit einem Boot vorbei kommt und kontrolliert.

Doch das kleine Risiko nehmen wir gerne für dieses tolle Naturerlebnis in Kauf“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Das Naturschutzgebiet von Güi-Güí steht unter besonderem Schutz, da das ökologisch sensible Gebiet eine große Population von geschützten Pflanzen und Vögeln beherbergt. Es ist bekannt, dass hier die Polizei sehr auf die Einhaltung der Regeln des Naturschutzes achtet und auch entschieden gegen Umweltverschmutzer vorgeht. Doch die Vier haben nicht vor, hier ihren Müll zurückzulassen. „Dafür lieben wir diesen Strand viel zu sehr“, ist die einstimmige Meinung.
Als wir am späten Nachmittag den Rückweg antraten, der uns dieses Mal einen etwas längeren Aufstieg und einen kürzeren Abstieg bescherte, beneideten wir fast ein wenig die Zurückbleibenden Jugendlichen. Güi-Güí scheint tatsächlich noch mehr zu sein, als nur ein einfacher Strand. Die Sonnenuntergänge sollen dort fantastisch sein und das Leben – zumindest für eine kurze Zeit – ein wenig freier.

Rundwanderung: Tasártico – Playa de Güi Güí Grande über Degollada de Aguas Sabinas
Zeit: ca. 3 Stunden.

Höhenunterschied:
Hinweg: 312 m im Aufstieg und 547 m im Abstieg.
Rückweg: 547 m im Aufstieg und 312 m im Abstieg

Anforderungen: Anstrengende Wanderung, da es kaum Schatten gibt. An ausreichend Wasserproviant denken. Im Internet finden sich Hinweise darauf, dass in diesem Gebiet bereits Leute an Dehydration gestorben sein sollen.

Kommentare

Kommentar von Vanessa |

Hallo Leonie,
es ist wirklich eine Freude deine wunderbaren Wanderbeschreibungen zu lesen. Sie alle haben auch ein wenig etwas vom erleben eines Abenteuers. Jedes Mal bekomme ich Lust meine Wanderschuhe vom Dachboden zu holen und los zu laufen 🙂

Lieben Gruss
Vanessa

Kommentar von Leonie |

Hallo Vanessa,

vielen lieben Dank für Dein Lob. Freue mich, wenn die Geschichten gefallen und Leute zum Wandern bringen :-).

Liebe Grüße
Leonie

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