von Leonie Reuter (Kommentare: 0) in Kategorie » Teneriffa «

SE VENDE – Fahrzeugverkauf am Straßenrand

SE VENDE, FOR SALE oder ZUM VERKAUF steht auf den Schildern. Ab und zu stehen auch alle Begriffe untereinander oder werden noch mit weiteren Sprachen, wie russisch oder niederländisch, linguistisch verfeinert. Diese auf Verkauf hinweisenden Schilder finden sich seit der Krise im Jahr 2008 in jeder Größe und in jeder Farbe überall auf den kanarischen Inseln. Wer nicht selber malen oder schreiben möchte, kann in jeder kleinen Ferreteria, wie die Eisenwarenhandlungen hier heißen, oder in einem Baumarkt von einem großen Stapel vorgestanzter Schilder wählen. Unübersehbar befinden sich die Verkaufsschilder an Wohnimmobilien.

Aber nicht nur viele Häuser, Wohnungen und Apartments auf Teneriffa stehen zum Verkauf an. Auch Fahrzeuge aller Art, wie Boote, Motorräder und Autos warten auf einen neuen Besitzer. Waren es zunächst nur vereinzelte Fahrzeuge, die ein Verkaufsschild unter der Windschutzscheibe kleben hatten, gibt es mittlerweile auf den Inseln ganze Straßen, Plätze und sogar Gewerbegebiete, die mit Karossen mit einem „SE VENDE“ Schild zugestellt sind.

Illegal abgestellte Fahrzeuge abschleppen

Auf Teneriffa wurde dieser Zustand mehrere Jahre lang mehr oder minder stillschweigend von den Behörden geduldet. Doch die mit Fahrzeugen zum Verkauf zugeparkten Straßen nehmen ständig zu. Mittlerweile hat das Problem eine solche Dimension angenommen, dass nun auch die Kommunen nicht mehr darüber hinweg sehen können und sich verstärkt mit dem unersprießlichen Zustand beschäftigen müssen. Ihnen liegen vermehrt Beschwerden von Einwohnern vor, die darüber klagen, dass ihre Straßen zu einem illegalen Umschlagplatz für Fahrzeuge geworden sind. Gerade die unmittelbar betroffenen Anwohner verlangen von den Behörden energisch gegen den Straßenhandel vorzugehen. Sie möchten vermeiden, dass ihre Wohn- oder Geschäftsgegenden durch die auf der Straße vor ihren Haustüren angebotenen Gebrauchtfahrzeuge abgewertet werden. Nicht nur dass man Einfahrten und Zuwege mit auf Dauer geparkten Fahrzeugen blockiert, verstärkt häufen sich auch die Klagen verschiedener Interessengruppen, die den Straßenhandel wegen unlauterem Wettbewerb verbieten möchten.

Aus diesem Grund hat die Gemeinde Arona mittlerweile die Polizei angewiesen, dass diese Fahrzeuge mit Verkaufsschild, die illegal auf den Straßen abgestellt sind, abgeschleppt und man deren Eigentümer mit Geldstrafen belegt. Ganz besonders stark ist auf Teneriffa die Gemeinde Arona in dem Ort Los Christianos betroffen. Dort hat sich im Zentrum in der Avenida Juan Carlos I. ein regelrechter Gebrauchswagen Umschlagplatz etabliert. Am Straßenrand der Avenida stehen so viele Fahrzeuge zum Verkauf, dass sich ein Fahrzeug mit Verkaufsschild an das andere reiht. Und wie auf einem richtigen Gebrauchswagenmarkt findet der Suchende tatsächlich ein breit gefächertes Angebot. Es gibt vom blank geputzten, so gut wie Neuwagen bis zu einem alten VW Käfer, dem auch schon mal ein Reifen fehlen kann, alles was einen vermeintlichen Gebrauchtwagenkäufer interessieren dürfte – wenn es ihn denn gäbe.

Verkauf aufgrund der Krise

Se Vende

Zum Verkauf stehende Fahrzeuge am Straßenrand

Zum Leidwesen der Behörden ist diese Straße in Los Christianos nicht das einzige Mekka der Fahrzeugverkäufer. Insbesondere in und um die Gewerbegebiete der Insel konzentriert sich der schwungvolle Handel. Auf den kanarischen Inseln produziert man keine Fahrzeuge. Jedes einzelne Fahrzeug muss eingeführt werden und stellt damit gerade auf der Insel für seinen Besitzer einen besonderen Wert dar. Dennoch haben sich die Zeiten ganz offensichtlich geändert. Es gibt wie auch bei den Immobilien einen eindeutigen Käufermarkt. Die Verkäufer, die sich von ihrem Gefährt trennen wollen oder müssen, sind in der Überzahl. Käufer gibt es kaum. Und die Frage nach dem „wer sind die Verkäufer“ liegt auf der Hand.

Seit dem Ausbruch der Krise sind viele Spanier in wirtschaftliche Not geraten. Häufig sind Häuser und Fahrzeuge auch noch auf Kredit gekauft worden. Nun können sich durch Arbeitslosigkeit verbunden mit wirtschaftlicher Not viele Einheimische kein eigenes Fahrzeug mehr leisten. Daneben gibt es einen hohen Anteil von „Gastarbeitern“ aus Südamerika, die durch die Krise arbeitslos geworden sind und nun zurück nach Südamerika oder in andere Länder, in denen sie Arbeit zu finden hoffen, gehen. Aber auch Spanier, die ihr Arbeitsglück nun im Ausland suchen, wandern aus. Immobilien und Karossen bleiben zurück und müssen häufig verkauft werden.

Auch Residenten verkaufen ihr Fahrzeug

teilweise nagt bereits der Zahn der Zeit an den abgestellten Karossen

Aber auch Residenten und Überwinterer, die hier teils viele Jahre auf der Insel verbracht haben und nun alt geworden sind und zurück in ihre Heimatländer gehen, möchten ihre Fahrzeuge gerne verkaufen. Doch das gelingt zurzeit tatsächlich nur in den wenigsten Fällen. So stehen die Fahrzeuge teilweise nicht nur Tage und Wochen, sondern ab und zu Monate und länger auf der Straße. Die zuständigen Gemeindeverwaltungen vermuten, dass in vielen Fällen, die Eigentümer längst die Insel verlassen haben. Denn auch im Internet, in der örtlichen internationalen Presse und bei Gebrauchswagenhändlern stehen genügend Fahrzeuge zum Verkauf. Viele Fahrzeugeigentümer verlassen daher die Insel, ohne ihr Fahrzeug vorher versilbern zu können.

In diesen Fällen wird auch die neueste Offensive der Gemeinde Arona gegen die Straßenautoverkäufer vorzugehen, nicht mehr helfen. Die Eigentümer sind verschwunden und zurück bleiben herrenlosen Fahrzeuge. Für diese Mobile, an denen der Zahn der Zeit zu nagen begonnen hat, wird sich wohl auch zukünftig kein Käufer finden.

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