von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Lanzarote «

Wellen, Wind und Kilowatt

Pedro San Ginés, der Präsident der Inselregierung von Lanzarote, und Julius Espedal, Direktor der norwegischen Firma Langlee Wave Power, trafen sich gestern, um einen Vertrag zu unterschreiben, der die Zusammenarbeit des privaten Unternehmens mit der öffentlichen Hand beim Bau eines Wellenkraftwerks in der Nähe von Santa Blanca regeln soll.

Verhandlungen dauerten fast ein Jahr

Seit Beginn der Verhandlungen vor etwa einem Jahr haben sich die Verantwortlichen auf Lanzarote über die noch relativ junge Technologie der Energiegewinnung aus Wellenbewegungen informieren lassen. Wellenkraftwerke gehören zu den Wasserkraftwerken, die im Gegensatz zu den Gezeitenkraftwerken nicht Ebbe und Flut zur Stromerzeugung nutzen, sondern die kontinuierlichen Wellenbewegungen, die an den Küsten ständig zu beobachten sind. Ein erstes Wellenkraftwerk wurde 2001 an der Küste der schottischen Insel Islay zunächst für Testzwecke eingerichtet. Zehn Jahre später ging dann im spanischen Baskenland das erste kommerzielle Projekt mit der neuen Technik an den Start. Seit dieser Zeit versorgt eine 300 kW-Anlage, die der baskische Energieversorger Ente Vasco de la Energia betreibt, die kleine Hafenstadt Mutriku mit Strom aus dieser erneuerbaren Energiequelle.

Geringe Beeinträchtigung des Landschaftsbildes

Besonders attraktiv wird diese Möglichkeit der Stromerzeugung auf nachhaltige Art und Weise durch die spezielle Bauart der Kraftwerke. Gerade für eine Insel, deren wirtschaftliche Basis im Tourismus liegt, ist der geringe Einfluss der Anlage auf das Landschaftsbild von großem Vorteil. Wellenkraftwerke benötigen keine gigantischen Türme wie Windkraftanlagen, die man oft als störend empfindet, weil sie doch recht sichtbar ihre Arbeit verrichten. Die verschiedenen Möglichkeiten, die Energie der Wellenbewegungen zu nutzen, sind allesamt relativ unsichtbar. Die schwimmenden Generatoren befinden sich zum Teil unter der Wasseroberfläche und beeinträchtigen deshalb das Bild einer intakten Küstenlinie in nur geringer Weise. Allerdings gibt es bislang kaum Erkenntnisse darüber, wie sich die Installation derartiger Anlagen langfristig auf Fauna und Flora des Meeres in der direkten Umgebung der Kraftwerke auswirkt.

Gemeinsame Entwicklungsarbeit

Vorgestellt hat man bei der Unterzeichnung des Kollaborationsvertrages zwischen der Inselregierung von Lanzarote und der Firma, die bereits seit einiger Zeit über eine Niederlassung auf Gran Canaria verfügt, auch der Prototyp der Anlage. Diese wird in Kooperation mit dem Instituto Tecnológico de Canarias (ITC) entwickelt und soll im kommenden Jahr erstmals eingesetzt werden. Der „Robusto“ getaufte Schwimmkörper ist zunächst als Testobjekt konzipiert worden, mit dem zahlreiche Experimente vor der Küste der Vulkaninsel durchgeführt werden sollen.

Zukunftstechnologie mit enormem Potenzial

Für die Zukunft sehen sowohl Inselpräsident Pedro San Ginés als auch Julius Espedal als Vertreter von Langlee enormes Potenzial in der neuen Technologie. Durch die Besonderheiten der kanarischen Küstenlinien sind die Inseln sehr gut geeignet, um von dieser Art der Energiegewinnung hervorragend profitieren zu können. Auch wenn derzeit die Kosten noch über denen liegen, die für die konventionelle Energieerzeugung veranschlagt werden müssen, sind die Kooperationspartner zuversichtlich, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Ein weiterer Schritt zur nachhaltigen Stromerzeugung auf den Kanaren wurde damit gestern auf Lanzarote gemacht.

Quelle: langleewavepower.com

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