von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Lanzarote «

Soria macht Lanzarote grün

Ob José Manuel Soria auch in Zukunft seine Sommerferien auf Lanzarote verbringt, wenn der Tourismus, für den er als Minister im Kabinett Rajoy unter anderem verantwortlich ist, wegen der Ölbohrungen in den Gewässern von Fuerteventura und Lanzarote erheblichen Schaden genommen hat, stellt sich erst noch heraus. In diesem Jahr jedoch ist er noch einmal gekommen. Noch dazu mit ziemlich viel Begleitung. Das liegt aber weniger daran, dass er Freunde mitgebracht hätte, von denen er auf Lanzarote seit einiger Zeit nicht mehr viele hat, sondern daran, dass ihn eine beachtliche Zahl an Sicherheitskräften auf die Insel begleitet. Diese sollen ihn und seine Familie vor denen schützen, die mit seiner Energie– und Industriepolitik, seinen beiden anderen Zuständigkeitsbereichen, so gar nicht einverstanden sind.

Der von Gran Canaria stammende Soria verbringt bereits seit einigen Jahren seinen Sommerurlaub regelmäßig im 5-Sterne Hotel Volcán in Playa Blanca. In der Vergangenheit hat dies auch niemanden weiter gestört. Diesmal jedoch, nachdem der Minister die Erlaubnis zur Durchführung von Probebohrungen in kanarischen Gewässern für den Ölkonzern Repsol gegen den breiten Widerstand in der Bevölkerung durchgeboxt hat, sieht die Sache ganz anders aus.

Demonstranten bereiteten lautstarken Empfang

Schon kurz nach seiner Ankunft bekam Soria einen Eindruck davon, wie beliebt er auf der Insel ist. Etwa hundert Demonstranten, ausgerüstet mit Plakaten gegen die Probebohrungen, bereiteten ihm einen lautstarken Empfang.

In der Umgebung des Hotels, das zwar 5 Sterne, aber wohl keine gültige Baugenehmigung besitzt, hatten sich die Gegner des Projektes und des Ministers postiert, um ihm unmissverständlich mitzuteilen, dass er auf Lanzarote wenig willkommen ist. Mit Transparenten wie „Ölminister raus“ und „Du bist kein Canario“ brachten die Protestierer zum Ausdruck, was sie von Soria und seiner Politik halten.

In seinem Feriendomizil selbst ist nach Angaben der Geschäftsleitung des Hauses bis zum Ende des Monats kein freies Zimmer mehr zu bekommen. Ob diese von der beachtlichen Zahl an Sicherheitskräften belegt sind oder von anderen Gästen, die sich nun wie im Hochsicherheitstrakt einer staatlichen Herberge fühlen müssen, in der Ausflüge in die Umgebung eher selten möglich sind, wurde nicht verlautbart.

Bei Zimmerpreisen zwischen 190 und 250 Euro pro Nacht ist das zweifelhafte Vergnügen, unter einem Dach mit einem echten Regierungsmitglied seinen Urlaub zu verbringen, zudem auch keine ganz billige Angelegenheit. Außerdem wurde bekannt, dass es der Herr Minister in seinen Ferien eher vorzieht, in aller Ruhe ein Buch zu lesen, als sich allzu oft unter das Volk zu mischen. Trotzdem wird er mit seiner Familie wohl auch einmal einen Ausflug machen. Wenn dann eine größere Wagenkolonne über die Insel rast, dürfte recht schnell klar sein, wer da gerade unterwegs ist. Auch beim Segeln, einem Sport, dem der feine Herr durchaus zugetan ist, dürfte er von seinen professionellen Begleitern umringt sein.

Tourismusminister statt Königlicher Hoheiten

Manche Kommentatoren in der lokalen Presse sehen in der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte aber auch einen positiven Effekt. Sie vermelden begeistert, dass Lanzarote noch nie so grün war, wie in diesem Sommer. Allerdings ist das Grün der Polizeiuniformen nicht wirklich so attraktiv, wie es eine üppige Vegetation sein könnte.

Auch der Sprecher des Verbandes der Hoteliers und Apartmentvermieter, Francisco Martínez, gibt sich weitgehend zufrieden. Wenn schon die königliche Familie lieber nach Mallorca statt auf die Kanaren reist, so haben wir wenigstens den Tourismusminister zu Gast, gab er zu bedenken und freute sich über die guten Buchungszahlen, die Lanzarote in diesem Jahr verzeichnen kann. Ob dies in Zukunft allerdings so bleiben wird, wenn nach einem Unfall auf einer Bohrinsel die Strände ebenso schwarz sind wie das Lavagestein der Insel, ist jedoch äußerst fraglich.

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