von Thomas Vollmer (Kommentare: 1) in Kategorie » Lanzarote «

Kinder müssen draußen bleiben

Kinder, die auch am späten Abend noch mit ihren Familien auf Festen zusammen sind und fröhlich zwischen den Gästen herumlaufen, waren ein recht vertrautes Bild bei den Fiestas auf den Kanarischen Inseln. Doch damit ist nun auf Lanzarote erst einmal Schluss. Kinder und Jugendliche, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, werden in Zukunft keinen Zutritt mehr zu öffentlichen Tanzveranstaltungen haben, auch dann nicht, wenn sie in Begleitung ihrer Eltern Einlass begehren.

Diese strikte Regelung, die in der Bevölkerung kontroverse Diskussionen ausgelöst hat, kommt zum ersten Mal an diesem Wochenende bei den Fiestas del Carmen in Arrieta zur Anwendung. Wie der Bürgermeister von Haría, José Torres, und die für die Organisation der Festlichkeiten zuständige Stadträtin, Elizabeth Socas, mitteilten, setzen sie damit auf Drängen der Guardia Civil eine umstrittene Regelung durch, die im Gesetz zur Durchführung von Volksfesten verankert ist. Diese im August des vergangenen Jahres in Kraft getretene Vorschrift besagt, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren grundsätzlich keinen Zutritt zu Tanzveranstaltungen haben, selbst dann nicht, wenn sie die ausdrückliche Erlaubnis ihrer Eltern haben und diese sie begleiten. Ausnahmen gibt es nur für spezielle Jugenddiskotheken und bei Festen, die eigens für Kinder in geschlossenen Räumen organisiert sind.

Unschöne Vorfälle in der Vergangenheit

Elizabeth Socas führte weiter aus, dass man sich auf Lanzarote aber nicht nur deswegen dazu entschlossen habe, die Verordnungen ganz strikt durchzusetzen, weil die Polizei dazu aufgefordert hat, sondern auch deshalb, weil es in der Vergangenheit auf einigen Festen schon manche unschöne Szene mit übermütigen und randalierenden Teenagern gegeben habe, die man in Zukunft gerne vermeiden möchte.

Um den Zutritt von Kindern und Jugendlichen zu verhindern, werden bei den Feiern zu Ehren der Heiligen Carmen deshalb sieben Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes den Zugang zum Festgelände kontrollieren. Wer also schon über 16 ist, den man aber auf Grund seines jugendlichen Aussehens für jünger halten könnte, sollte auf keinen Fall seinen Ausweis vergessen, weil man ihn sonst abweisen könnte. Weitere fünf Sicherheitskräfte werden dafür sorgen, dass niemand, gleich ob jung oder alt, Glasflaschen oder Gläser auf das Festgelände bei El Charcón in Arrieta mitbringt. Auch die sind bei den Fiestas del Carmen nicht erlaubt. Besonders restriktiv bei der Durchsetzung der Festregeln zeigte man sich auf Lanzarote schon 2011. Damals traten die Verantwortlichen als Vorreiter bei der Durchsetzung der Nachtruhe auf. Spätestens um vier Uhr morgens ist seitdem bei Volksfesten auf der Insel Schluss mit lustig und Musik.

Kontroverse Meinungen in der Bevölkerung

Die Reaktionen auf die Ankündigung zur strikten Durchsetzung der Altersbeschränkung stieß in der Bevölkerung auf ein geteiltes Echo. Während die Einen die Regelung als wichtigen Beitrag zum Jugendschutz betrachten oder hoffen, in ihrer Feierfreude nicht mehr von randalierenden Jugendlichen gestört zu sein, finden Andere die Vorschriften recht überzogen, besonders deshalb, weil die Kinder nicht mal mehr gemeinsam mit ihren Eltern feiern dürfen.

Welche Erfahrungen nun mit der neuen Verordnung gemacht werden, wird sich an diesem Wochenende erweisen. Lassen sich die Gäste tatsächlich das gemeinsame Feiern mit der ganzen Familie so einfach verbieten, oder wird es an den Eingängen zum Veranstaltungsort zu aufgeregten Diskussionen mit den Ordnern kommen? Wie auch immer, der Charakter der Volksfeste wird sich durch die zunehmende Flut von Regulierungen ganz sicher ändern, ob zum Vorteil oder doch eher zum Nachteil der Stimmung muss sich erst noch herausstellen.

 

Kommentare

Kommentar von diogenes |

Das ist absurd!
Übermütige und randalierende Teenager. Gut.
Darf ich mit meinem Baby im Tragetuch auch nicht mehr über den Festplatz schwänzeln? Und wenn doch, ab welchem Alter kann dann ein Kind „übermütig randalieren“? Wollen dann alle Teenies plötzlich wieder 8 sein, weil sie dann eben doch reingelassen werden?

Und was ist mit der Pflicht, pädagogisch sinnvoll zu erziehen? WIe soll ich als Vater mit meinem Kind sozusagen „das Feiern üben“, damit es nicht dann mit 16 hemmungslos und ungebremst noch stärker randaliert und noch übermütiger wird?

Dies ist ein unhaltbarer Einschnitt in wichtige Grundrechte.

Ich empfehle ein paar eindeutige Eltern-Kind-Demos direkt neben den öffentlichen Plätzen noch in diesem Sommer. Pik-Niks mit Kiddies, Teenies, Eltern und Ghettoblastern. Eigenes Essen und Getränke nicht vergessen und nach ein paar schönen Sausen ist aus die Maus mit dieser „Verordnung“ einiger regelwütiger, aber hirnloser Menschen, die komplett an der Realität vorbei herumregeln wollen.

Gemeinsame Aktionen gefällig? Können wir doch organisieren!

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