von Olaf Kröger (Kommentare: 0) in Kategorie » La Palma «

Gründerzentrum für Jungunternehmer in Santa Cruz

Am vergangenen Montag, dem 18. November, wurde in der Avenida El Puente in der Hauptstadt Santa Cruz der La Palma ein Gründerzentrum eingeweiht. Das sogenannte „Vivero de Empresas de la Cámara de Comercio“ wurde vom kanarischen Präsidenten persönlich feierlich eröffnet und soll nun Existenzgründern bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit helfen.

Ich möchte auf keinen Fall falsch verstanden werden und auch nicht unterstellt bekommen, dass ich die positiven Aspekte dieser Aktion nicht zu würdigen weiß. Aber, und so fangen dann eben immer Einlässe an, es scheint mir ein wenig wie die Hilfe eines Blinden, einem anderen Blinden über die Straße zu helfen. Es ist eine logische wirtschaftliche Erscheinung, dass zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit die Existenzgründungen zunehmen. Genau gegensätzlich verhält es sich bei sehr niedriger Arbeitslosigkeit.

Derzeit zu sehen in Deutschland, wo die Neugründungen so niedrig wie seit Jahren nicht sind. Die Lust sich Selbstständig zu machen kommt entweder aus einer inneren Überzeugung heraus oder aus der Not. Ersteres ist für mein dafürhalten sie solidere Variante. Wenn ich eine Kompetenz besitze, dazu den Spaß an eigenverantwortlicher Gestaltung meines Berufslebens habe, dann benötige ich kein Gemeindezentrum, welches mir kostenlos zur Verfügung gestellt wird. In erster Linie benötige ich Unterstützung im administrativen Bereich. Sprich, ich muss einen Business-Plan erstellen und ich muss ein schlüssiges Konzept erarbeiten, mit dem ich zur Bank gehen kann und ein solide aufgestelltes Darlehen erhalte. Und hier wissen nun alle mit Verstand gesegneten Bewohner des Erdballs, dass es gerade daran scheitert. Was also stellen sich die Herren Präsidenten denn bitte vor?

Nun, nach entsprechender Antragstellung bei der Cámara de Comercio in Tenerife www.camaratenerife.com können Jungunternehmer in den neu entstandenen Räumlichkeiten des Gründerzentrum dann Büroräume und Besprechungszimmer mit modernster Ausstattung nutzen und werden darüber hinaus von Angestellten der Handelskammer in rechtlichen Fragen oder zu Subventionen beraten. Das Angebot beschränkt sich zunächst auf 7 Neugründer, denen das Angebot für ein Jahr zur Verfügung steht. Anschließend darf man nochmals ein weiteres Jahr beantragen. Danach muss man in der Lage sein, auf eigenen Beinen zu stehen.

Mir erschließt sich im Moment auch nicht, warum eine Unterstützung dieser Art auf sieben Personen beschränkt wird. Wie heutzutage üblich, wird auch diese Aktion aus Töpfen der EU genährt und sieht für mich eher danach aus, wie hilflos die Politiker und Brüsseler Bürokraten wirklich sind, in dieser Situation das Richtige zu unternehmen. Das von all den Milliarden an die Banken nicht der müdeste Euro an diejenigen ausgekehrt wird, die es sinnvoll in die Wirtschaft leiten hat bereits jeder begriffen.

Das Gründerzentrum wird, wie erwähnt, zu einem grossen Teil mit EU-Geldern finanziert. Es trägt den Namen des Expräsidenten der Handelskammer „Ignacio González Martín“, was sicherlich außerordentlich wichtig für die betreffenden Personen ist. Hier sollen künftig die Ideen sprudeln und sich motivierte Start-Ups gegenseitig „befruchten“. Synergieeffekte nutzen. Da passt der Name wirklich gut, denn ein Vivero kann ja auch eine Brutstätte sein. Die beteiligten Persönlichkeiten üben sich indes wie immer in aufmunternden Worten und so sprechen sie dem „Vivero de Empresas“ zu, eine „Antwort auf die Krise“ auf La Palma zu sein.

Regierung zu Optimistisch

Na bitte, 7 Neugründungen werden der Insel zu neuem Wohlstand verhelfen. Die Insel als neues „Silicon Valley“ etablieren und ganz Spanien aus dem Schlamassel ziehen. Der kanarische Präsident betont die äußerst schwierige wirtschaftliche Situation. Meint aber, dass die Kanaren doch langsam „Licht am Ende des Tunnels“ erkennen könnten und sich schon im kommenden Jahr erste Erfolge zeigen werden. Wollen wir hoffen, dass das Licht, welches der Herr Präsident sieht, nicht das der entgegenkommenden Eisenbahn ist. Es ist scheinbar vieler Orten verkannt, dass die Probleme, die wir in Spanien und dem Rest der EU haben nicht ein Problem sind, welche eben schnell zu beseitigen sind.

Die Ursachen liegen erstens sehr weit zurück, und zweitens in ganz anderen Bereichen als die meisten zu glauben wissen. Dies würde aber hier weitaus den Rahmen sprängen. Nur soviel, Wirtschaft muss wie alle organischen Lebewesen ein- UND ausatmen. Die Politiker der großen Wirtschaftsnationen wollen dies aber trotz aller Elite-Ausbildungen nicht begreifen. Sie haben vor Jahrzehnten den Grundstein für diese schwierige Phase gelegt. Wirtschaft brauch Boom und auch Rezession – keine Manipulation. Wollen wir hoffen, dass sich sieben talentierte Jungunternehmer aufmachen um den Laden hier zu schmeißen.

Bleiben sie mir eigenverantwortlich und wachsam….

Ihr Jean-Bas

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