von Kathrin Switala (Kommentare: 1) in Kategorie » La Palma «

Die kanarische Banane geht neue Wege

Die Anfänge des Bananenanbaus auf dem kanarischen Archipel reichen 500 Jahre zurück. Solange ist die ursprünglich asiatische Frucht nun schon auf den Inseln beheimatet. Nach La Palma wurde sie allerdings erst viel später, im Jahre 1880, durch den Canadio Pedro Reid und den Briten L. Jones gebracht und dann auch hier auf den typischen, terrassierten Plantagen kultiviert. Schon bald darauf etablierte sich diese kleine und sehr süsse Sorte namens „Eanes Cavendish“ auf dem britischen Markt. Später auch in Frankreich und Italien.

100 Jahre nach der ersten Kultivierung auf der Insel La Palma hatte der Anbau der Bananen seinen Zenit erreicht. 3871 Hektar wurden 1980 mit der leckeren Südfrucht bewirtschaftet. Vor allem in den sonnigen Lagen von Tazacorte, Los Sauces, Puerto Naos und Los Llanos. Seitdem war die Produktion immer weiter rückläufig, da die Konkurrenz aus Mittelamerika die Preise immer weiter in den Keller drückte. Mit Subventionen vom spanischen Festland und der europäischen Gemeinschaft wurde lange dagegen angekämpft. Diese brachten auch die hässlichen Plastikplanen mit sich, denn die konkurrenzfähige Banane musste den Normen entsprechen und grösser werden. So wurden die riesigen Invernaderos über die Plantagen gebaut, um den Wachstumsprozess zu verlängern. Die flächigen Planen verschandelten zusehens das Bild der isla bonita. Doch aus einem Zwerg lässt sich nun mal kein Riese machen.

Mit den hohen Auflagen über die Qualität der Bananen wurden auch zusehens mehr Chemiekalien verwendet. Wo man früher noch mit Petroleum und Seife gegen Schädlinge vorging, kamen nun immer mehr synthetische Fungizide, Chlor- und Phosphorverbindungen zum Einsatz.

Bananenplantagen

Allerdings gibt es seit ein paar Jahren aber auch alternativ bewirtschaftete Bananenplantagen mit steigender Zahl. Vorwiegend noch durch deutsche und schweizerische Betreiber. Diese nutzen die schattigen und feuchten Böden unter den Bananen zudem zum Anbau verscheidener Gemüsesorten. So entsteht eine perfekte Symbiose, denn die subtropische Frucht mag es feucht und verschlingt immense Wassermengen. So benötigt man bis zur Ernte von einem Kilogramm Bananen ganze 1000 Liter Wasser. Was auch neben dem Argument der Monokultur der grösste Kritikpunkt ist und die kanarische Banane damit noch unwirtschaftlicher macht.

An einer Alternative zur Chemiekeule arbeiten mittlerweile auch die Forscher in La Laguna auf Teneriffa, die sich mit der Zucht natürlicher Feinde von Pflanzenschädlingen befassen.

Kreativ im Kampf um Absatzmärkte

Viel zu lange hat man sich mit dem aussichtslosen Kampf gegen die Konkurrenz aus Mittelamerika beschäftigt, anstatt die eigenen Vorzüge zu erkennen. Die Produktionskosten sind hier auf den Kanaren annähernd doppelt so hoch und liegen bei etwa 1 Euro für die Herstellung von einem Kilogramm Bananen. Die Bewässerung verschlingt dabei bereits gut ein Drittel und die terrassenförmige Anbauweise erfordert mehr körperlichen Einsatz bei der Bewirtschaftung und Ernte und verursacht somit höhere Lohnkosten. Ein Wetteifern mit der Konkurrenz aus Übersee hat somit wenig Aussicht auf Erfolg.

Die Einkaufspreise sind in den letzten Jahren noch dazu derart in den Keller gerauscht, dass die Erzeuger in besonders schlechten Phasen nur noch knapp 20 cent/kg verdienen, während der Verbraucher dafür etwa 2 Euro zahlt. Die Gewinnmarge der Zwischenhändler beträgt während dessen bis 400%.

Hinzu kommt ein weiterer untragbarer Aspekt. Denn Jahr für Jahr vernichtet man in den Sommermonaten etwa 20% der Ernte, um den Preis halbwegs stabil zu halten. Aus humanitärer Sicht betrachtet ein Ding der Unmöglichkeit! Doch die Banane blüht und wächst das ganze Jahr hindurch und kennt keine Saison. Auf dem spanischen Festland schätzt man zwar ihren feinen Geschmack und verzehrt sie gerne, doch im Sommer wird sie auch dort deutlich weniger nachgefragt, denn dann haben auch viele andere leckere Obstsorten Saison.

Der Bananenanbau ist neben dem Tourismus der grösste Wirtschaftszweig und ernährt immerhin rund 6000 Familien auf La Palma. So kämpft man weiter und sucht neue Verwertungs- und Absatzmöglichkeiten. Die immer schärferen Auflagen für den Erhalt von Subventionen sind eh schon lange kaum noch zu erfüllen. Die letzten Plastikplanen fallen und man sucht nun nach Alternativen für die Vermarktung seines Produktes.

Unterschiedliche Produkte

In den Souvenirgeschäften findet man mittlerweile Regale mit palmerischen Köstlichkeiten und unter ihnen nun auch Produkte wie Bananenchips in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, Bananen-Likör und seit neuestem auch eine ganze Körperpflegeserie, von Duschgel, Sonnencreme oder Gesichtspflege bis zur Handcreme.

Ausserdem gibt es noch weitere Denkansätze in Sachen Vermarktung, denn man besinnt sich wieder auf die gute Qualität und den hervorragenden Geschmack der kleinen Zwergbanane und will nun den deutschen Markt erobern. Bekanntermassen greifen die Deutschen schon mal bereitwilliger und auch tiefer in die Tasche, um kontrollierte und zertifizierte Lebensmittel zu erwerben. Was liegt also näher, als die kanarischen Bananen mit einem Gütesiegel zu versehen. Sie ist nun offizielle „Plátano de Canarias“.

Plátano de Canarias

Im vergangenen Jahr trat man damit an den deutschen Konsumenten heran und begeisterte fürs Erste die Feinkostabteilungen von Karstadt und Kaufhof für eine Sonderaktion, bei der insgesamt über 80.000 kg auf die Reise nach Deutschland gingen. Die Erzeugervereinigung ASPROCAN setzt bei ihren Werbeaktionen vor allem auf den kurzen Seeweg zum europäischen Festland und wirbt mit der viel frischeren und reiferen Frucht, die sich mit geschicktem Marketing sicher in Europa etablieren könnte.

Kommentare

Kommentar von canariae |

Erstens, möchte ich Ihnen zu Ihrem Eintrag gratulieren. Sehr schöne und ausführliche Erläuterung über eine Frucht, die ein Symbol für alle Kanaren repräsentiert.

Als Kanarier in Berlin würde ich mich freuen, wenn ich die kanarische Plátano hier kaufen könnte. Sogar 4 euro pro Kilo bin ich in der Lage zu bezahlen. Am Ende lohnt sich die Plátano aus den Kanaren, oder?

Viele Grüsse aus der Bundeshauptstadt,

Canariae.

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