von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Kanaren «

Proteste in der Türkei – Touristen auf den Kanaren

Es scheint so, als ob sich die Geschichte wiederholt. Vor zwei Jahren war es der Arabische Frühling, der den Kanaren unverhofft ein beträchtliches Buchungsplus beschert hat. Jetzt könnte sich wegen der massiven Demonstration von bürgerlichem Selbstbewusstsein auf dem Taksim-Platz in Istanbul erneut ein Vorteil für die Inseln ergeben.

Die Menschen in der Türkei wollen sich nicht länger von einem Mann regieren lassen, der sich zunehmend als allmächtiger Sultan generiert. Ihn interessiert es wenig, was das Volk wirklich denkt. Die Forderung vom Volk unterstützen demokratische Kräfte in aller Welt. In die Freude über das unerwartete Aufflammen von zivilem Ungehorsam mischt sich jedoch die Besorgnis über die weitere Entwicklung im Land. Sie ist aber nur schwer abzuschätzen. Bislang sind die protestierenden Massen trotz des massiven Polizeieinsatzes friedlich geblieben. Die Stimmung auf dem Taksim ist eher mit der auf einem großen Volksfest zu vergleichen. Nicht mit der, die herrscht, wenn ein Sturm auf Regierungseinrichtungen kurz bevorsteht.

Doch längst beschränken sich die Proteste nicht mehr auf die Stadt, die von jeher großen westlichen Einflüssen aufgeschlossen gegenüber steht. Ein kleiner Park in Istanbul steht symbolisch für den Widerstand gegen das Erdogan-Regime. Aber selbst in ländlichen Gebieten ist es zu Demonstrationen gegen die Regierung gekommen. Obwohl die Bewohner hier dem strikt islamischen Kurs des Premierministers positiver gegenüberstehen.

Die Aussicht, dass das gesamte Land von den Protesten erfasst werden könnte und die Unsicherheit darüber, wie die Regierenden mit den Aufständen in Zukunft umgehen werden, lässt viele Urlauber davor zurückschrecken, ihren nächsten Urlaub in der Türkei zu buchen. Bereits jetzt sind die Besucherzahlen in den wichtigsten Städten der Bewegung, Istanbul und Ankara, um 40% zurückgegangen. Eine Zahl, die sich wahrscheinlich noch erhöhen wird. Vor allem wenn die Unruhe in der Bevölkerung anhält und sich auf die Touristenhochburgen am Meer ausweitet.

Kanaren rüsten sich für umgeleitete Touristenströme

Auf den Kanarischen Inseln jedenfalls will man für den Fall gerüstet sein. Falls die Entwicklung eine ähnliche Richtung nimmt wie vor zwei Jahren, als der arabische Frühling das touristische Geschäft in Tunesien und Ägypten zum Erliegen gebracht hat. Im vergangenen Jahr war es Griechenland. Hier haben antideutsche Töne dafür gesorgt, dass so mancher deutsche Urlauber sich lieber in Richtung Westen orientierte. Sie verbrachten ihre Ferien lieber auf den Kanaren.

Die Reiseveranstalter arbeiten jedenfalls schon mit Hochdruck an einem Plan B. Falls die Türkei als Urlaubsziel für die kommende Saison ausfallen sollte. Hier kommen die Kanarischen Inseln ins Spiel. Sie gelten als sicher und ruhig. Mit Unruhen ist trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise nicht zu rechnen. Und das Wetter spielt in der Regel ebenfalls noch mit. Auch wenn die Situation diesmal etwas anders ist als zur Zeit der Aufstände in den arabischen Staaten, als die Kanaren auf Grund der Jahreszeit praktisch das einzige Alternativziel waren, könnte der Archipel von der Entwicklung in der Türkei profitieren. Da nun aber der Sommer vor der Tür steht, sind auch andere Destinationen in Spanien, wie etwa die Balearen oder die Touristengebiete an der Mittelmeerküste, denkbare Ausweichziele für Urlauber. Urlauber, die ihre Ferien eigentlich in der Türkei verbringen wollten.

Bislang ist es noch zu keiner signifikanten Umleitung der Touristenströme gekommen. Trotzdem rechnen die Experten mit einer solchen Entwicklung, falls die Bürgerproteste in der Türkei noch länger als eine Woche andauern. An den verantwortlichen Stellen, bei den Reiseveranstaltern, im Hotelsektor und bei den Tourismusbehörden, wird die Situation in jeden Fall sehr aufmerksam beobachtet. Als klassisches Winterziel mit freien Kapazitäten in den Sommermonaten sind die Kanarischen Inseln eine ideale Alternative. Sie könnte schnell und relativ problemlos aktiviert werden.

Ende der Proteste nicht abzusehen

Zur Zeit sieht es nicht so aus, als würden die Proteste in der Türkei abebben. Jetzt liegt es an Recep Tayyip Erdogan, die Situation zu beruhigen. Doch seine selbstherrlichen und realitätsfremden Äußerungen der letzten Tage weisen schon Ähnlichkeit mit dem auf, was die arabischen Despoten von sich gegeben haben. Kurz bevor das Volk ihnen gezeigt hat, was es davon hält. Zu wünschen ist der Türkei, dass es eine friedliche Lösung geben wird, auch wenn so mancher Hotelier auf den Kanaren vielleicht insgeheim ganz glücklich wäre, wenn der Sultan sich nicht widerstandslos vertreiben ließe.

 

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