von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Kanaren «

Nach Abdankung des Königs fordern Demonstranten auf den Kanaren Ende der Monarchie

Am heutigen Tage kennen die Medien in Spanien und so auch auf den Kanarischen Inseln nur ein einziges, alles beherrschendes Thema: Den Rücktritt von König Juan Carlos.

Gestern erklärte König Juan Carlos völlig unerwartet seine Abdankung und bestimmte als seinen Nachfolger Kronprinz Felipe, der als Thronerbe einen rechtmäßigen Anspruch auf das Amt des Staatsoberhauptes hat. Trotz zuletzt vermehrt laut gewordenen Spekulationen um die Gesundheit des Bourbonenchefs, hatte dieser bislang einen Rücktritt immer abgelehnt. Derartige Forderungen, die auch nach verschiedenen Skandalen im Königshaus an ihn herangetragen wurden, hatte er stets zurückgewiesen.

Monarchie in der Krise

Um das Ansehen der royalen Familie steht es in Spanien seit geraumer Zeit nicht mehr zum Besten. Ganz aktuell steht der Schwiegersohn des Königs, Iñaki Urdangarin, der Ehemann von Infantin Cristina, vor Gericht, wo er sich in einem Korruptionsprozess verantworten muss. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Auch die Königstochter und Frau des ehemaligen Handballers steht im Verdacht, in die undurchsichtigen Machenschaften ihres Mannes verwickelt zu sein. Doch nicht nur die liebe Verwandtschaft sorgte im Hause Borbón in letzter Zeit für Aufregung. Auch der König selbst ist immer mal wieder unangenehm aufgefallen. Seinen größten Fauxpas leistete er sich, als er mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise auf Großwildjagd nach Afrika reiste, wo er sich auch noch als stolzer Jäger vor einem getöteten Elefanten ablichten ließ.

Diese und andere mehr oder weniger große Skandale ließen das strahlende Bild eines Mannes langsam verblassen, ohne den es das demokratische Spanien von heute nicht geben würde. Nur durch seine klare Positionierung nach dem Ende der Franco-Diktatur und seine Rolle bei der Niederschlagung eines Putschversuchs im Jahre 1981 konnte das Land auf seinem Weg in die Moderne erfolgreich voranschreiten. Trotz dieser Verdienste gibt es in Spanien, anders als etwa in Großbritannien oder in den anderen europäischen Monarchien, eine nicht zu unterschätzende Gruppe, die für eine Abschaffung der Monarchie und eine spanische Republik eintritt.

Spontane Proteste auf Gran Canaria und Teneriffa

So versammelten sich auch gestern auf den Kanarischen Inseln spontan hunderte von Menschen, die den Rücktritt des Königs zum Anlass nahmen, um ihren Forderungen nach einer Republik Ausdruck zu verleihen. Sowohl im Parque San Telmo in Las Palmas auf Gran Canaria, als auch auf der Plaza de la Candelaria in Santa Cruz de Tenerife kamen zahlreiche Gegner der monarchistischen Staatsform zusammen und forderten lautstark ein Referendum darüber, wer in Zukunft an der Spitze des Landes stehen soll. Auch wenn die Zahl der Gegner der Monarchie auf den Kanarischen Inseln traditionell etwas größer ist als im Durchschnitt des Landes, werden sie am Ende mit ihren Forderungen wahrscheinlich nicht sehr weit kommen. Trotz der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Königshaus steht immer noch eine Mehrheit der Spanier zu seinen königlichen Regenten.

Diesen, wenn auch schwindenden, aber immer noch vorhandenen Rückhalt in der Bevölkerung hat die Königsfamilie sicherlich auch Felipe und seiner Frau Letizia zu verdanken. Sie repräsentieren das moderne Spanien und sind bislang nicht durch Skandale oder ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit aufgefallen. Auch die Tatsache, dass es mit Letizia ein bürgerliches Mädchen aus dem Volk geschafft hat, sich ihren Prinzen zu angeln, lässt viele Spanier über die Unzulänglichkeiten der Monarchie hinwegsehen.

Wenn das Land nun einen neuen König bekommt, ist Felipe sicherlich nicht die schlechteste Besetzung für diesen Posten. Dies war sein Vater zu Beginn seiner Amtszeit allerdings auch nicht. Sollte es ihm aber auf Dauer nicht gelingen, seine derzeitige Beliebtheit aufrecht zu erhalten, dürfte er jedoch wahrscheinlich der letzte Bourbone sein, der den Thron Spaniens als rechtmäßiger König besteigt. Beim nächsten Mal wird sonst sicherlich die Zahl derer, die eine Abschaffung der Monarchie fordern, weitaus größer sein, als dies bei den Protesten gestern der Fall war. Nicht nur auf den Kanaren.

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