von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Kanaren «

Meuterei auf der Bencomo Express

Das vergangene lange Wochenende mit dem Feiertag Maria Himmelfahrt am Freitag nutzten viele Menschen auf den Kanaren dazu, ihre Freunde und Verwandten auf den anderen Inseln zu besuchen. Wochenenden mit solchen Brückentagen sind stets für die Unternehmen, die für den Transport der Menschen zwischen den Inseln sorgen, mit einem hohen Passagieraufkommen verbunden. Wer in dieser Zeit reisen möchte, ist gut beraten, sich sein Ticket frühzeitig zu sichern. Doch selbst, wenn der Platz auf der Fähre oder im Flugzeug fest gebucht ist, muss dies nicht bedeuten, dass man auch rechtzeitig an seinem Zielort ankommt. Diese Erfahrung mussten zahlreiche Kunden der Reederei Fred. Olsen Express am Samstag und Sonntag machen.

Technische Probleme führten zum Ausfall einer Fähre

Begonnen hatte das Ungemach ausgerechnet an einem Tag, an dem besonders viele Menschen unterwegs waren. Am Samstag musste die Reederei ihre Schnellfähre Bentago Express wegen technischer Probleme aus dem Verkehr ziehen und in eine Werft nach Las Palmas zur Reparatur bringen lassen. Das Schiff, das normalerweise zwischen Fuerteventura und Gran Canaria verkehrt, fiel komplett aus, was dazu führte, dass gleich zwei Verbindungen an diesem Tag gestrichen werden mussten. Obwohl die gebuchten Passagiere naturgemäß nicht besonders erfreut über diese Umstände waren, kamen sie am Ende doch noch an ihr Ziel. Diejenigen, die auch ihr Auto von Fuerteventura nach Gran Canaria transportieren wollten, wurden auf andere Fähren verteilt. Wer ohne Fahrzeug unterwegs war, durfte sich über einen Flug freuen.

Da der Schaden an der Bentago Express nicht umgehend behoben werden konnte, mussten die Verantwortlichen bei Fred. Olsen ihre Verbindungen und die Einsätze der zur Verfügung stehenden Schiffe für eines der Wochenenden des Jahres mit dem höchsten Passagieraufkommen neu koordinieren. Leider blieben dabei die Informationen für die Reisenden manchmal auf der Strecke.

Besonders brisant wurde die Situation am Sonntagnachmittag als den 858 Passagieren der als Ersatz zur Verfügung stehenden Bencomo Express erst an Bord der Fähre über eine Lautsprecherdurchsage mitgeteilt wurde, dass sie nicht, wie erwartet, nach Las Palmas gebracht, sondern in Agaete anlegen würden, von wo aus die Fähre ihren üblichen Dienst zwischen Gran Canaria und Teneriffa wieder aufnehmen sollte. Für die Passagiere aus Fuerteventura aber sollte es mit Bussen weitergehen an den eigentlichen Bestimmungsort Las Palmas.

Mangelhafte Informationspolitik war Grund für Meuterei

Da man aber in Morro Jable erst mit gut eineinhalb Stunden Verspätung abgelegt hatte, waren viele der Reisenden mit der Busreise zwischen den beiden Häfen, die eine weitere Verzögerung von etwa 45 Minuten bedeutet hätte, ganz und gar nicht einverstanden.

Deshalb brach gleich nach der Durchsage ein Sturm der Entrüstung und des Protestes über die Crew des Schiffes herein, dessen Heftigkeit so niemand erwartet hätte. Die Reklamationsblätter waren denn auch schon bald vergriffen, und die Unzufriedenheit unter den Passagieren wuchs mit jeder Seemeile, die sich die Fähre Agaete näherte. Die Meuterei auf der Bencomo Express war in vollem Gange. Diese muss den Kapitän der Fähre derartig beindruckt haben, dass er nach einiger Zeit seinen eingeschlagenen Kurs änderte und erneut über die Bordlautsprecher mitteilen ließ, dass man nun doch direkt den Hafen La Luz in Las Palmas auf Gran Canaria ansteuern würde. So kamen die Reisenden und ihre 200 Fahrzeuge am Ende doch noch an dem Ort an, auf den sie gebucht waren.

Dass eine Meuterei von Passagieren einen Kapitän zu einer Kursänderung bewegt, kommt sicherlich nicht jeden Tag vor und wird sich wahrscheinlich auch bei der Reederei Fred. Olsen, die schon seit 1974 die Inseln des kanarischen Archipels zuverlässig miteinander verbindet, nicht wiederholen.

Die Bentago Express soll in Kürze wieder einsatzfähig sein, sodass sich die Probleme vom Wochenende bald erledigt haben werden.

(Foto: simontingle74 / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

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