von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Kanaren «

Kosmisches Feuerwerk am Himmel über den Kanaren

Das Aufflackern eines extrem hellen Blitzes sorgte am Sonntag bei vielen, die das Ereignis beobachtet haben, für Ratlosigkeit über das, was sie da gesehen hatten. Antworten gab es jetzt von Javier Licandro, der als Forscher am Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) beschäftigt ist. Nach der Analyse zahlreicher Zeugenberichte kamen die Experten des Instituts zu dem Schluss, dass es sich um einen Meteoroiden, einen kosmischen Körper von der Größe eines Fußballs gehandelt haben muss, der beim Eintritt in die Atmosphäre der Erde verglüht ist. Diese Art von Himmelskörpern, die größer sind als interplanetarer Staub und kleiner als Asteroiden, werden auch als Boliden oder Sternschnuppen bezeichnet.

Piloten gaben genaue Beschreibungen des Ereignisses ab

Die ersten Berichte kamen von den Piloten einiger Verkehrsmaschinen, die zu dem Zeitpunkt in der Region unterwegs waren. Sie gaben an, dass ein unheimlich helles Licht von weißer Farbe für etwa 2 bis 3 Sekunden den Himmel extrem erhellt hat. Außerdem haben sie ein akustisches Ereignis beschrieben, das als tauber Knall wahrgenommen wurde. Dieses Phänomen erhärtet die Vermutung der Forscher, dass es sich bei dem Vorfall um einen Boliden gehandelt hat, der mit Schallgeschwindigkeit auf die Erde zugerast ist. Etwa 100 Meilen nordöstlich der Kanarischen Inseln, zwischen Teneriffa und Madeira, muss der Gesteinsbrocken in die Erdatmosphäre eingedrungen sein, wodurch er komplett zerstört ist. Auf Grund der Tatsache, dass man keine Gesteinsbrocken gefunden hat, gehen die Forscher des astrophysischen Instituts davon aus, dass es sich eben um einen Boliden gehandelt haben muss und nicht um einen Meteoriten, der sich beim Eintritt in die Atmosphäre nicht in Gänze zerstört hätte.

Doch nicht nur die Piloten, sondern auch zahlreiche Menschen auf Teneriffa, La Palma und Gran Canaria waren Zeugen dieses Ereignisses, das bei vielen Erstaunen und Fragen nach dem Gesehenen hervorgerufen hat. Während einige der Beobachter glaubten, das Licht stamme aus künstlichen Quellen wie etwa einer Signalpistole, mit der in Not geratene Seeleute auf ihre Lage aufmerksam machen, waren andere davon überzeugt, ein astrophysisches Phänomen beobachtet zu haben, von dem sie befürchteten, dass es Schäden auf der Erde hervorrufen würde. Die Notrufstellen auf den Inseln bekamen zwischen 22.20 Uhr und 22.30 Uhr zahlreiche Anrufe, in denen die Zeugen des Ereignisses ihre Besorgnis darüber ausdrückten, dass Menschen zu Schaden gekommen sein könnten, wenn sie von Gesteinsbrocken getroffen worden wären.

Kein außergewöhnliches Phänomen

Die exakteste Beschreibung erhielten die Sternenforscher jedoch von der Besatzung eines Flugzeuges, das sich zum Zeitpunkt des kosmischen Spektakels auf einem Flug nach Argentinien befand. Etwa 150 Meilen nördlich der Kanaren, fast schon über der zu Portugal gehörenden Insel Madeira, hatten sie wohl die beste Position, um den Weg und das Ende des Himmelskörpers beobachten zu können. Auf Grund ihrer präzisen Beschreibung sind sich die Forscher sicher, das Ereignis als den Eintritt eines Boliden in die Erdatmosphäre bestimmen zu können.

Dabei handelt es sich nach Auskunft von Javier Licandro um kein besonders außergewöhnliches Ereignis, da kosmisches Material jeden Tag auf der Erde auftrifft. Meist tritt dieses Phänomen jedoch unbemerkt und ohne viele Zeugen ein. In vielen Fällen werden die Erscheinungen aber auch falsch interpretiert und künstlich erzeugten Feuerwerken zugeordnet, die dann nicht gemeldet werden.

Die Forscher versuchen jetzt an ihrem Institut und mit Hilfe der Sternwarte auf La Palma herauszufinden, woher genau der Bolide gekommen ist. Sie suchen nach Spuren von Ereignissen im Weltall, die Aufschluss darüber geben könnten, was passiert ist, bevor der kleine Himmelskörper seine letzte Reise zur Erde angetreten hat. Beeindruckend für die Sternenkundler, ebenso wie für alle, die das kosmische Schauspiel beobachten konnten, ist nicht nur der große Effekt, den die relativ kleinen Gesteinsbrocken hervorrufen können, sondern auch die Wirkung, die solche Erscheinungen auf die Menschen ausüben. Die Unendlichkeit des Weltalls und seine Geheimnisse haben die Erdenbewohner seit jeher beschäftigt und werden wohl auch in Zukunft nichts von ihrer Faszination verlieren.

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 9 plus 4.