von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Kanaren «

Baupläne zum Discountpreis

Viele Jahre lang lief es ausgezeichnet für die Bauunternehmer und die Architekten in Spanien und eben auch auf den Kanarischen Inseln. Man hat so viel gebaut wie nie zuvor, und es kam, was kommen musste. Die Immobilienblase, die sich im Laufe der Jahre aufgebaut hatte, platzte durch die Krise. Die Luft war raus. Viele Projekte, die man noch verwirklichen wollte, verschwanden in den Schubladen der Bauträger. Realisierung äußerst ungewiss. Die Banken, die mit ungesicherten Krediten erheblich zu dem Bauboom beigetragen und sich auch sonst nicht gerade durch gesellschaftliche Verantwortung ausgezeichnet hatten, kamen in arge Schwierigkeiten, aus denen die Steuerzahler sie befreien mussten. Das Geld wurde knapp, und mit den goldenen Zeiten auf dem Bau war es endgültig vorbei.

Vom Besserverdiener zum Almosenempfänger

Betroffen von der Krise war das ganze Land, nahezu alle Wirtschaftszweige hatten erhebliche Einbußen zu verzeichnen. Die Menschen verloren ihre Arbeit und landeten nicht selten auf der Straße, da sie die Kredite für ihre Immobilien nicht mehr bedienen konnten. Besonders hart traf es aber die, die zuvor erheblich von der Entwicklung profitiert hatten. Und dazu zählen auch die Architekten. Gehörten sie vorm Platzen der Blase noch zu den Besserverdienern im Land, sind sie jetzt gezwungen, ihre Leistungen zu Dumpingpreisen anzubieten.

Auf Grund der fehlenden Nachfrage haben die Baumeister ihre Preise in manchen Fällen um bis zu 70 % gesenkt. Wie der Präsident des Kanarischen Architektenverbandes, Argeo Semán Díaz, jetzt in Santa Cruz auf Teneriffa betonte, liegen die Honorare für Architektenleistungen allgemein um 50 – 60 % unter denen, die vor Beginn der Krise berechnet wurden. Manche seiner Kollegen gehen sogar soweit, Aufträge anzunehmen, bei denen sie effektiv keinen Gewinn machen. Diese Projekte dienen dann nur noch dazu, Referenzen zu sammeln, die in Zukunft helfen können, neue und eventuell wieder lukrative Engagements zu ergattern.

Missliche Lage hat zahlreiche Gründe

Zu schaffen macht den Architekten aber nicht nur die schlechte wirtschaftliche Lage im Land, sondern auch ein Trend, der sich bei den Bauherren, gerade im privaten Geschäft, immer mehr durchsetzt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Computerprogramme, die es Hobbybaumeistern recht leicht machen, ihr Traumhaus daheim im Wohnzimmer am PC zu entwerfen und zu planen. Diese Bauherren kommen dann mit einer CD unterm Arm in die Architekturbüros und verlangen, dass die Profis nur noch ihre Unterschrift unter die fertigen Pläne setzen, damit diese bei den Baubehörden, die zudem immer mehr Unterlagen zur Erteilung einer Genehmigung fordern, eingereicht werden können.

Für die Architekten auf den Kanarischen Inseln bedeutet die Summe dieser Entwicklungen in manchen Fällen einen Rückgang der Einnahmen um bis zu 90 %. Eine Zahl, die nach Angaben des Kanarischen Architektenverbandes jedoch nicht nur auf den Inseln, sondern im ganzen Land dazu führt, dass die einstigen Stars der Bauindustrie nun nicht selten am Existenzminimum um ihr Überleben kämpfen müssen. Deshalb fordert die Ständevertretung der Baumeister auf Teneriffa ein Umdenken bei Kunden und Behörden. Mehr Arbeit für weniger Geld führt auf Dauer dazu, dass sich die Experten andere Betätigungsfelder suchen müssen und dann irgendwann fehlen werden. Eine solche Entwicklung ist nicht nur im Geschäft mit den Traumhäusern von Nachteil, sondern in allen Bereichen der Wirtschaft, die durch derartige Dumpingpreise mit Sicherheit nicht den Weg aus der Krise finden wird.

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