von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Polizei von Ingenio fährt Bus

Man stelle sich vor, man liegt im Bett und bemerkt, dass sich böse Buben ins Haus geschlichen haben und alles daran setzen, das edle Familiensilber und die gut versteckte Barschaft aufzuspüren, um sich dann mit dieser fetten Beute aus dem Staub zu machen. Wer nun denkt, da rufe ich sofort die Polizei, die wird dann schnell kommen und die ruchlosen Ganoven in ein feuchtes Loch werfen, der könnte unter Umständen mit diesem Plan Schiffbruch erleiden. Zumindest wenn er in Ingenio auf Gran Canaria wohnt. Dort wird man bei einem Hilferuf eventuell nämlich zu hören bekommen, dass es vielleicht etwas länger dauern könnte, bis die mutigen Retter am Ort des Geschehens eintreffen werden, weil man zunächst den Busfahrplan des öffentlichen Nahverkehrs studieren muss, um zu eruieren, wie man nun an den Tatort gelangt. Was sich hier wie ein blöder Scherz liest, ist in der Stadt im Westen Gran Canarias leider traurige Wirklichkeit.

Maroder Fuhrpark

Der Fuhrpark der Freunde und Helfer dort ist so marode, dass seit dem vergangenen Monat die ersten Beamten, statt mit ihrem Polizeiauto auf Streife zu gehen, die täglichen Ausflüge in ihrem Revier mit einem ganz anderen Einsatzfahrzeug machen müssen. Die türkisfarbenen Busse der Firma Global, die den öffentlichen Nahverkehr auf der Insel erledigt, haben in Ingenio eine ganz neue Aufgabe bekommen. Die Busfahrer sind nun nicht mehr nur für den Transport von Touristen und Pendlern zuständig, sondern dürfen auch die Ordnungshüter zu ihren Einsatzorten bringen.

Für die gesamte 30.000 Einwohner zählende Stadt standen der Polizei in den vergangenen Wochen zunächst noch zwei Fahrzeuge zur Verfügung, von denen eines jedoch dann auch noch seinen Geist aufgab, sodass nur noch ein Fahrzeug zu gebrauchen war. In einer derart misslichen Lage müssen die Bürger halt schon mal etwas länger warten, bis die Sheriffs vor Ort sind, schließlich fährt so ein Bus nicht immer gleich dann, wenn irgendwo etwas passiert, da muss man als ergebener Staatsbürger auch schon mal etwas mehr Verständnis und Geduld aufbringen.

Kollegen aus Las Palmas helfen aus

Doch nun soll sich die Lage auch in Ingenio zumindest teilweise wieder etwas verbessert haben. Die Kollegen von der Policia Local in der nahegelegenen Hauptstadt Las Palmas hatten noch ein paar alte Möhren übrig, die sie gerne an ihre Kumpel aus Ingenio vermietet haben. So sind die Polizisten dort jetzt wieder etwas mobiler. 3 Fahrzeuge mit nicht unerheblichen Kilometerständen wurden also in die Nachbarstadt überführt, wo sie nun, wenigstens solange bis auch sie ihren Geist aufgeben, eingesetzt werden. Dass die Stadt Las Palmas für diese noble Geste und schnelle Hilfe jetzt 24.000 Euro pro Jahr kassiert, trägt aber nun nicht wirklich dazu bei, dass man mit dieser Lösung glücklich wird. Für diese Summe hätte man ja vielleicht auch ein eigenes Fahrzeug anschaffen oder die vorhandenen, aber nicht einsatzfähigen reparieren lassen können. Wäre bei intensiverem Nachdenken eventuell auch eine Lösung gewesen. Wie auch immer, solange die Gebrauchtwagen aus Las Palmas noch funktionieren, spart die Gemeinde immerhin einige Bustickets für ihre Beamten. Falls die in Zukunft allerdings doch wieder vermehrt auf die Dienste von Global zurückgreifen müssen, sollten die Verantwortlichen aber zumindest versuchen, ein günstiges Jahresticket im Abonnement zu bekommen. Irgendwo muss man mit dem Sparen ja mal anfangen.

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