von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Oase von Maspalomas kein historischer Ort

Der Rat der Regierung der Kanaren hat am vergangenen Freitag den Antrag abgelehnt, die Oase von Maspalomas zum Bien de Interés Cultural (BIC), zu einem Kulturgut der Inseln zu erklären. Dieser Antrag war von verschiedenen Gruppen unterstützt worden, um den gigantischen Neubau eines Hotels der RIU-Gruppe in unmittelbarer Nähe der Lagune und des Palmenhaines in Maspalomas zu verhindern. Die Baupläne sehen ein mehr als 300 Meter langes und 25 Meter hohes Gebäude vor, das den Blick auf einen der schönsten Punkte im Süden Gran Canarias verstellen würde.

Hätte man dem Antrag stattgegeben, hätte man an dieser Stelle überhaupt nicht mehr bauen dürfen. Die Begründung des Begehrens, die Oase zum Kulturgut von öffentlichem Interesse zu erklären, schien dem Rat jedoch nicht schlüssig und ausreichend. Begründet hat man den Antrag damit, dass Christoph Columbus auf einer seiner Reisen nach Amerika an genau dieser Stelle geankert und einige Zeit verweilt haben soll.

Heftiger Widerstand in der Bevölkerung gegen gigantischen Neubau

Die Baupläne des Hotelkonzerns RIU, der auf dem Grundstück des in die Jahre gekommenen Hotels Maspalomas Oasis einen Neubau errichten will, waren in der Öffentlichkeit wegen seiner riesigen Dimensionen heftig unter Beschuss geraten.

Unter anderem hat man mit einer Online-Petition auf change.org für die Einstufung der Zone als Bien de Interés Cultural geworben. Trotz der breiten Unterstützung des Antrags in der Bevölkerung konnte sich der Rat der Inselregierung nicht dazu entschließen, diesem Begehren stattzugeben.

Doch der Spruch des Rates bedeutet nun allerdings nicht automatisch freie Fahrt für den geplanten Neubau. Bei der Regierung der Kanaren ist man der Ansicht, dass es genügend andere bestehende Vorschriften gibt, die der Genehmigung eines Baus von diesen Ausmaßen an gerade jener Stelle entgegenstehen. Deshalb wurde den für den Bauantrag zuständigen Behörden aufgetragen, die entsprechende Erlaubnis noch einmal eingehend zu überprüfen. Man ist im Rat der Regierung sicher, dass man bei Beachtung aller Regeln des Bebauungsplanes für die Zone, sowie der Gesetze und Vorschriften zum Schutz von Natur und Umwelt, die Genehmigung für den Bau in der vorliegenden Form nicht erteilt. Der Streit um das neue Flaggschiff der RIU-Gruppe auf Gran Canaria dürfte also auch nach dem Spruch des Rates noch lange nicht beendet sein und noch in so manche Verlängerung gehen.

RIU hat Entscheidung mit Vorsicht zur Kenntnis genommen

Bei RIU selbst hat man die Entscheidung mit einer gewissen Vorsicht aufgenommen. Eine Sprecherin des Konzerns sagte in einem Interview, dass man die Sachlage nun erneut bewerten und erst danach weitere Entscheidungen treffen würde. Bis diese gefällt sind, führt man das ehemalige 5-Sterne Vorzeigehaus Maspalomas Oasis zunächst einmal wie in den letzten Monaten weiter. Da die Ausstattung des Hotels den heutigen Ansprüchen an eine Topanlage nicht mehr entspricht, hat man bereits vor einiger Zeit beschlossen, das etwa 40 Jahre alte Hotel nur noch mit 4 Sterne-Standard und einem All-inclusive-Angebot zu vermarkten.

Für alle Beteiligten und auch für die Entwicklung weiterer Projekte in dem Gebiet rund um Maspalomas und Meloneras wäre zu wünschen, dass hier bald klare Regeln ohne Ausnahmen für besonders einflussreiche Konzerne formuliert und dann auch angewendet sind. Bausünden und Zerstörung von Natur hat es in der Vergangenheit genügend gegeben. Es wird Zeit, dass die entsprechenden Vorschriften und Gesetze endlich beachtet werden. Nur so kann die ungezügelte Bauwut nicht nur im Süden Gran Canarias, sondern auf allen Inseln der Kanaren gestoppt werden. Die rechtlichen Mittel dazu sind nach Ansicht der Regierung auf jeden Fall vorhanden.

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