von Thomas Vollmer (Kommentare: 1) in Kategorie » Gran Canaria «
Minister Unerwünscht
Vor 56 Jahren wurde Soria in Las Palmas auf Gran Canaria geboren. Hier wuchs er auf, ging zur Schule, später nach Madrid, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Er trat in die Partido Popular (PP) ein und machte Karriere in der Politik. 1995 wurde er jung und dynamisch Bürgermeister der Inselhauptstadt Gran Canarias, wo er sich für höhere Aufgaben qualifizierte. Seine Laufbahn führte ihn über den Posten des Inselpräsidenten, den er 2007 nach einem Misstrauensvotum räumen musste, schließlich in die große Politik nach Madrid. Seit drei Jahren ist er jetzt im Kabinett von Mariano Rajoy als Minister für die Industrie, den Tourismus und den Handel im Lande zuständig. In dieser Zeit schaffte er es, zu einem der unbeliebtesten Politiker auf dem Archipel.
Einseitige Wirtschaftspolitik
Mit seiner massiven Unterstützung der Ölförderpläne von Repsol vor den Küsten von Lanzarote und Fuerteventura ist es ihm gelungen, den Zorn und Unwillen der Bewohner dieser Inseln und des gesamten Archipels auf sich zu ziehen. Man wirft ihm vor, sich einseitig auf die Seite der Industrie geschlagen zu haben, die nur den Profit, aber nicht die Probleme und Gefahren derartiger Vorhaben sieht.
Nach Ansicht vieler Menschen wird er seiner Verantwortung gegenüber seiner Heimat und seinem Amt als Minister, der eben auch für den Tourismus zuständig ist, schon lange nicht mehr gerecht.
Die Ablehnung Sorias erfährt nun im Inselparlament von Lanzarote einen neuen Höhepunkt. Vertreter der Fraktion Alternativa Ciudadana haben den Antrag gestellt, den Minister zur Persona non grata, zur unerwünschten Person auf der Insel zu erklären. Ein in jüngster Zeit wohl einmaliger Vorgang. Nach ersten Einschätzungen werden die Alternativen mit ihrem Vorstoß jedoch keinen Erfolg haben. Auch wenn die Parteifreunde von der PP und die Koalitionspartner von der PSOE auf Lanzarote den Kurs Sorias nicht vorbehaltlos gutheißen, so werden sie es jedoch nicht wagen, einen derartigen Affront zu unterstützen. So sympathisch der Vorschlag anderen Parlamentariern auch erscheinen mag, die Angst vor der Rache des Ministers, der eben auch für die nicht ganz unwichtigen touristischen Fragen in der Regierung verantwortlich zeichnet, ist nicht zu unterschätzen.
Wirtschaft vor Umweltschutz
In der Bevölkerung hat sich Soria aber nicht nur wegen seines strikt wirtschaftsfreundlichen Kurses in der Frage der Ölförderung unbeliebt gemacht. Auch die steigenden Stromkosten gehen nach Ansicht vieler Bürger auf seine politischen Entscheidungen zurück. Besonders aber diejenigen, die sich für alternative, erneuerbare Energien einsetzen, haben in dem Minister einen potenten Gegner gefunden, der ihnen die Fördermittel gestrichen hat und gleichzeitig verkündet, dass die umweltpolitischen Fragen hinter den Interessen der Wirtschaft zurückzustehen haben.
Soria unterstützt auch weiterhin das Vorhaben von Repsol, im kommenden Sommer mit den Probebohrungen im Meer zu beginnen. Obwohl bei schon vor der Küste Marokkos durchgeführten Bohrungen kein Öl gefunden wurde, will der Konzern an seinen Plänen festhalten. Und José Manuel Soria, der Junge von der Nachbarinsel, wird Repsol auch weiterhin seine volle Rückendeckung geben. Und wenn er dazu nach Lanzarote oder Fuerteventura reisen muss, wird er dies tun, auch wenn die Menschen auf den Inseln auf diese Visiten mit Freude verzichten würden.
Kommentare
Kommentar von Dieter Schmitt Eiden |
Ich sah 1992 im us-amerikanischen Fernsehen die ersten Satellitenbilder mit Messungen der Oelvorkommen auf und zwischen den Kanarischen Inseln. Zwischen dem afrikanischen Festland und den naechstliegenden Inseln, Lanzaote und Fuerteventura zeigte sich ein sehr langer, breiter Graben in roter Farbe (Waermefelder, die bei Oelvorkommnissen positiv gewertet werden)mitten im Atlantik. Wenn dort die Bohrtuerme ansetzen, kann man davon ausgehen, dass sie fuendig werden. Man darf auch sicher sein, dass eine Foerdergesellschaft nur dann bohrt, wenn alle verfuegbaren wissenschaftlichen Studien keine Zweifel zulassen.
Mehr noch: Alle 7 Inseln bergen riesige Erdoelvorkommnisse, so zumindest war die Recherche des US- Senders klar zu verstehen. Um den Teide auf Teneriffa liegen weite Flaechen, Gran Canaria nur vereinzelt, – und La Gomera ist quasi nur noch ein Deckelchen auf einem Tiegel, der vielleicht eines Tages selbst aufquellen muesste.
Mich hatte dieser Report derart beeindruckt, dass ich mein Grundstueck auf La Gomera rasch verkaufte (Enteignung waere haerter geworden).
Ich vertraue jedoch auf den Intelekt der Regierungen, die genau abwaegen wird, wann die Einkommen durch Tourismus den Oelfoerdungen unterliegen.
Waere zwar schade, aber verstaendlich, wenn eines Tages fette Touristen von oeligen Quellen verdraengt werden; mal abwarten, wer mehr hergibt.
Es waere jedoch ausserordentlich peinlich, wenn die Satelliten- Messgeraete sich taeuschen – und Oel mit heisser Lava verwechseln… lol.
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