von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Kanarische Unternehmen expandieren auf dem afrikanischen Kontinent

Die Kanarischen Inseln sind seit jeher ein wichtiger Kommunikationspunkt zwischen den Kontinenten. Politisch zu Europa gehörend, nicht weit von Afrika entfernt und mit guten Verbindungen nach Amerika gehört der Archipel zu den Regionen, in denen man Unterschiede ausgleicht und Kontakte knüpft.

Strategische Vorteile

Dieser strategische Vorteil nutzt man gerade jetzt in der Krise verstärkt, um dem Rückgang des Geschäfts auf heimischem Terrain etwas entgegen zu setzen. Dabei rückt ein Kontinent verstärkt ins Bewusstsein der kanarischen Unternehmer, der lange Zeit wenig Beachtung gefunden hat, obwohl er doch praktisch vor der Haustüre liegt.

Mittlerweile haben sich mehr als 200 auf den Inseln ansässige Firmen entschlossen, auf den schwarzen Kontinent zu expandieren. 300 Millionen Euro sind bereits in den Aufbau von Filialen in Ländern wie Marokko, Mauretanien oder den Senegal geflossen. An der Spitze steht jedoch die Inselgruppe der Kapverden, die mit 40 % der Summe den Löwenanteil an den Auslandsinvestitionen für sich verbuchen konnte. Zwischen den beiden Archipelen ist in den vergangenen Jahren ein reger Wirtschaftsverkehr entstanden, der beiden Seiten erhebliche Vorteile gebracht hat.

Neben diesem wichtigsten afrikanischen Partnerland konzentrieren sich die kanarischen Geschäftsleute auf drei weitere Länder. 140 der etwa 200 Unternehmen haben ihre Zelte – außer auf den Kapverden – in erster Linie in Marokko, dem Senegal und Mauretanien aufgeschlagen. Alle weiteren Tochterfirmen verteilen sich über den gesamten Kontinent. Besonders der Bausektor, der unter der Krise im eigenen Land besonders heftig zu leiden hat, ist jetzt bei den Nachbarn aktiv. Außer dem Bau-Haupt- und Nebengewerbe haben sich kanarische Firmen der Nahrungsmittelbranche, des Handels und aus dem Transportgeschäft zusätzliche Einnahmen außerhalb der Inseln gesichert.

Kleinere und mittlere Unternehmen gehen neue Wege

Interessant ist die Struktur der Unternehmen, die den Sprung nach Afrika gewagt haben. Es handelt sich in vielen Fällen um eher mittelständische oder kleinere Firmen, deren Einzelinvestitionen nur selten über einen Betrag von 100.000 Euro hinausgehen. Trotzdem wird die Zahl der Arbeitsplätze, die durch diese Aktivitäten geschaffen worden sind, mit etwa 3.000 beziffert.

Während große Konzerne die Folgen einer Wirtschaftskrise leichter verkraften können, haben die kleineren Marktteilnehmer meist nicht die finanziellen Mittel, um längere Durststrecken durchzustehen. Deshalb ist gerade in diesen Firmen unternehmerisches Geschick und Mut gefragt. Nur wer neue Wege geht, kann auf Dauer überleben. Das gilt nicht nur in Zeiten der Krise, aber hier ganz besonders.

Viele der Firmen, die in die afrikanischen Nachbarländer gegangen sind, haben dies als Einzelkämpfer getan. In manchen Fällen konnten sie jedoch von Programmen profitieren, die aufgelegt worden waren, um die Infrastruktur der Entwicklungsländer auszubauen. Mit staatlichen Finanzierungszusagen waren die wirtschaftlichen Risiken für die ausführenden Unternehmen deshalb durchaus kalkulierbar. Ein besonders wichtiger Faktor, denn bei allem unternehmerischen Geschick bleibt gerade bei Auslandsinvestitionen stets auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko bestehen, das durch die staatliche Unterstützung zumindest teilweise ausgeglichen werden kann.

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