von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Im Sumpf der Oase

Die Korruptionsvorwürfe gegen den Präsidenten der Inselregierung José Miguel Bravo de Laguna werden immer lauter. Seit Ende des vergangenen Jahres erste Anschuldigungen gegen den Politiker der Partido Popular im Zusammenhang mit der Renovierung des Einkaufszentrums Oasis in Maspalomas erhoben wurden, kamen immer neue Einzelheiten an den Tag, die den Präsidenten der Regierung nicht besonders gut aussehen lassen.

Auch gegen Mitglieder der Familie Bravo de Lagunas wird ermittelt

Begonnen hat die Affäre damit, dass der größte Anteilseigner und Initiator der Renovierung des Einkaufszentrums Oasis in Maspalomas, Cristóbal Rodríguez Marichal, im vergangenen Dezember eine Anzeige wegen Vorteilsnahme gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Bravo de Laguna erstattet hatte. Die Staatsanwaltschaft begann daraufhin mit den äußerst schwierigen Ermittlungen. Bis heute ist es den Beamten jedoch noch nicht gelungen, die Vorwürfe vollends aufzuklären. Zu undurchsichtig und verworren sind die Zusammenhänge. In den vermuteten Fall von Korruption, Verstößen gegen das Umweltschutzgesetz und andere Straftaten ist nicht nur der Präsident der Inselregierung selbst, sondern auch seine Familie scheinbar tief verstrickt.

Bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten soll es nach ersten Erkenntnissen nur selten mit rechten Dingen zugegangen sein. Aufträge hat man verschoben, Genehmigungen erteilt, die nicht der aktuellen Gesetzeslage entsprachen, gegen Umweltauflagen verstoßen, und immer war auch ein Mitglied der Familie Bravo de Laguna mit von der Partie. Zusammen mit dem Bauunternehmer Lopesan und dem größten Anteilseigner des Einkaufszentrums, Cristóbal Rodríguez Marichal, hat man hier das große Rad gedreht. Das Anwaltsbüro, in dem der Politiker bis zur Aufnahme seiner Arbeit als Inselpräsident gearbeitet hat, diente dabei scheinbar als Koordinierungsstelle, in der alle Fäden zusammengelaufen sind.

Zwischen 20 und 27 Millionen Euro soll die Familie Bravo de Laguna mit dem Projekt verdient haben. Um dies zu verschleiern, hat man nach bisherigen Erkenntnissen einen Strohmann engagiert, der den durch seine Wahl zum Präsidenten immer mehr in den öffentlichen Fokus gelangten Chef der Familie aus der Schusslinie nehmen sollte. Dies ging solange gut, bis einer aus der Connection, nämlich Cristóbal Rodríguez Marichal – aus welchem Grund auch immer – kalte Füße bekam, Anzeige erstattete und einige vertrauliche Informationen, mit denen er sich teilweise auch selbst belastete, an die Staatsanwaltschaft weitergab. Unter anderem gab er zu, 400.000 Euro als Provision für nicht näher definierte Geschäftsanbahnungen erhalten zu haben.

Aufklärung wird behindert

Wenn die Vorwürfe, wie Bravo de Laguna behauptet, jeglicher Grundlage entbehren, sollte es in seinem Interesse sein, die Hintergründe aufzuklären. Derzeit weigert er sich jedoch standhaft, konkret Stellung zu nehmen. Bisher ist er weder der Aufforderung des Parlamentes nachgekommen, seine privaten Einkünfte offenzulegen, noch kooperiert er mit den Ermittlungsbehörden in adäquater Art und Weise. Auch auf Fragen von Journalisten reagiert er mit Häme und Ablehnung.

Scheinbar hat er den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Auch wenn sein von Gran Canaria stammender Parteifreund José Manuel Soria, umstrittener Minister für Energie, Tourismus und Handel in Madrid, ihm kürzlich noch sein Vertrauen aussprach, ist dieses jedoch stark angeschlagen. Die immer neu aufkommenden Fragen werden drängender, und lange wird sich die Opposition im Inselparlament nicht mehr mit den Ausflüchten und dem fehlenden Aufklärungswillen des regionalen Spitzenpolitikers zufrieden geben. Selbst wenn an den Vorwürfen nichts dran sein sollte, was sehr unwahrscheinlich ist, könnte diese Affäre zumindest das politische Aus für den Präsidenten bedeuten. Nicht nur die ungeheuerlichen Vorwürfe an sich könnten ihn zu Fall bringen, sondern auch sein recht störrischer und unprofessioneller Umgang mit den Medien, der Staatsanwaltschaft und dem Parlament.

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