von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Golfer ohne Geld

Als im Jahre 2006 ein neuer Pächter für den ältesten Golfplatz des Landes gesucht wurde, war die Welt im traditionsreichen Real Club de Golf de Las Palmas noch in Ordnung. 1000 Mitglieder zählte zu dieser Zeit der exklusive Verein, der auf eine über 120-jährige Geschichte zurückblicken kann. Die Mitgliedsbeiträge flossen reichlich, und die von der Inseladministration geforderte Summe schien angemessen und tragbar. Dass kurz danach die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit das Land erschüttern würde, hatte nach langen Jahren des Booms so niemand erwartet.

Erster Golfplatz Spaniens

Es waren die Briten, die den damals noch recht noblen Sport auf die Insel gebracht haben. 1891 traf sich eine Gruppe britischer Residenten auf einem Areal. Die Gegend wird in der Bevölkerung treffend und recht zweideutig „El Lomo del Polvo“, der „Pulverhügel“ genannt. Hier wollte die feine Gesellschaft den ersten Golfplatz Spaniens anlegen. Der Gartenarchitekt und passionierte Golfer Mackenzie Ross sollte dafür sorgen, dass die Transformierung der Wildnis in eine Kulturlandschaft den hohen Ansprüchen der illustren Gruppe gerecht wird. In der wunderbaren Umgebung der Caldera von Bandama ging der Landschaftsdesigner ans Werk. Unterstützt von seinem anglophilen Freund Juan Domínguez Guedes schuf er eine Anlage. Diese ist bis heute nicht nur für ihre einzigartige Lage, sondern auch für spektakuläre Ausblicke und ein perfektes Erscheinungsbild bekannt. Die kleine exklusive Gesellschaft wuchs beständig. Das führte dazu, dass man 1957 den Real Club de Golf de Las Palmas in seiner aktuellen Form gründete.

Die 18 Löcher auf dem Lomo del Polvo wurden rasch zum beliebten Treffpunkt der besseren Gesellschaft von Las Palmas. Hier trugen sie nicht nur sportliche Wettkämpfe aus, sondern sie feierten auch rauschende Feste. Doch die Zeiten änderten sich. Die Gesellschaft wurde demokratischer. Touristen kamen auf die Insel, die ebenfalls Golf spielen wollten. Die einstige Exklusivität litt ein wenig. Auch wenn in Bandama noch längst nicht jeder Mitglied wurde, der die Aufnahmegebühr aufbringen konnte.

Heute ist man auf dem Pulverhügel froh über jedes Mitglied, das mit seinen Clubbeiträgen hilft, den Traditionsclub zu erhalten. Seit Beginn der Krise hat der Verein mehr als 300 Mitglieder verloren. Was die Finanzierung des Platzes nicht gerade einfacher macht. War es von 1957, als der Club gegründet wurde, bis zum Auslaufen des Vertrages 50 Jahre später ein eher symbolischer Betrag, der jährlich an die öffentliche Hand abgeführt werden musste, so änderte sich dies mit dem neuen Pachtvertrag aus dem Jahr 2006. Die dort festgelegte Summe vom 330.000 Euro könnte nun zum größten Problem der Vereinsgeschichte werden.

Massiver Mitgliederschwund

Statt 1000 Mitglieder, die 2006 noch dem Verein angehörten, sind es heute nur noch 680. Nun müssen sie allein, die enormen Kosten, die mit dem Betrieb eines Golfplatzes verbunden sind, aufbringen. Dadurch ist die Vereinskasse in eine bedrohliche Schieflage geraten. Mit einem Hilferuf haben sich die Verantwortlichen nun an die Öffentlichkeit gewandt. Sie wollen Golfclub und damit den Traditionsplatz lebensfähig halten.

Ob die Mitglieder des noblen Sportvereins angesichts der brennenden Probleme des Landes und der Insel aber mit Verständnis für ihre Lage rechnen können, ist recht fraglich. Auch wenn man sich einig ist, dass der traditionsreiche Platz weiterhin betrieben werden muss, so ist die Frage nach dem wie und von wem, eine ganz andere.

Denn der königliche Club hat nicht nur ein finanzielles Problem, sondern auch eines in seiner Mitgliederstruktur. Es fehlt der Nachwuchs. Die Alterspyramide steht auf dem Kopf, die Vereinsmitglieder werden immer älter, was die Zukunft des Clubs nicht unbedingt rosiger erscheinen lässt. Ohne ein tragfähiges Konzept für die kommenden Jahre wird es schwierig werden, den Platz zu erhalten. Auch wenn der Golfplatz in Bandama heute längst nicht mehr der einzige auf Gran Canaria ist, so bleibt er doch der wohl schönste. Wenn man den Park schließen müsste, wäre dies nicht nur ein Verlust für die Golfer, sondern auch für die Attraktivität der Insel als Ziel für Qualitätstouristen, eine Gruppe, auf die man sich eigentlich verstärkt konzentrieren wollte.

Foto von ovidio vidal – flickr

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