von Thomas Vollmer (Kommentare: 1) in Kategorie » Gran Canaria «

Es ist die Krise der Werte, nicht der Wirtschaft

An diesem Tag sind es nur 20 Neuankömmlinge, die in dem Tierheim ihre letzten Tage verbringen werden. Dabei ist Tierheim eigentlich die falsche Bezeichnung. Es ist ein Ort, den der weitaus größte Teil der Kreaturen nicht mehr lebend verlassen wird. Dass es heute nur 20 Hunde und Katzen sind, macht die Beschäftigten schon fast glücklich. An manchen Tagen können es auch schon mal doppelt so viele sein. Im Moment bevölkern ca. 600 Tiere die Käfige von Bañaderos. 80 % Hunde, 20 % Katzen, so ist hier in der Regel die Verteilung der Arten. Gleich, ob Hund oder Katze, im Tierheim ist immer Platzmangel, das Limit wird täglich aufs Neue erreicht und oft auch überschritten. Dann kommt der Tierarzt und schafft wieder Platz. Eigentlich sollte er Leben retten, an diesem Ort tut er das Gegenteil.

Einschläfern schafft Platz

Einschläfern, um Kapazitäten frei zu machen für den Nachschub, der garantiert kommen wird. Im letzten Jahr waren es über 5.000 Tiere, die hier, in vielen Fällen von ihren eigenen Besitzern, eingeliefert worden sind. Aber die Räumlichkeiten reichen nun mal nur für 600 aus. Für die Leiterin der Einrichtung, Maria Rosa González, ist es jedes Mal nur schwer zu ertragen. Wenn der Tierarzt mit der Spritze wieder Platz macht, weiß sie, dass es immer so weiter gehen wird.

Schon wenige Tage später werden wieder alle Käfige überfüllt sein. Es hört einfach nicht auf. Sie ist es leid, sich immer wieder dieselben Geschichten anhören zu müssen. Geschichten der Besitzer, die nur wenig glaubhaft sind. Sie weiß, dass die Tiere oft Spielzeuge sind. Jetzt entsprechen sie nicht mehr der Mode oder machen dann doch zu viel Arbeit. Nun werden sie weggeworfen wie das Computerspiel, das aktuell nicht mehr angesagt ist. Meistens werden sie aber nicht mal im Tierheim abgeben, dazu sind die Besitzer zu feige. Sie setzen die Tiere einfach aus.

10 Tage bis zum Tod

Wenn sie dann aufgegriffen werden, müssen die Gemeinden sie in Bañaderos abgeliefern. Dann sind sie angeblich entlaufen. Doch Maria Rosa González weiß, das sind sie nur in etwa 1 % der Fälle, der Rest wurde einfach seinem Schicksal überlassen. Einmal hier angekommen, bleiben ihnen noch 10 Tage, bis der Tierarzt mit dem tödlichen Cocktail kommt. Solange müssen die Tiere eine Unterkunft haben, um den Besitzern die Chance zu geben, ihren Hund oder ihre Katze wiederzufinden und abzuholen. Eigentlich sollten die einstigen Spielgefährten an den Chips, die sie implantiert haben, ihren Besitzern zugeordnet werden können. Aber die ausgelesenen Daten sind oftmals falsch und geben keinen Hinweis auf die wahren Besitzer, die scheinbar von Anfang an mit dem Gedanken gespielt haben, die bedauernswerten Kreaturen auszusetzen, wenn das Interesse an ihnen verloren geht.

Krise der fehlenden Werte

Von Verantwortungsbewusstsein fehlt da jede Spur. Und auch das Argument, dass auf Grund der Krise viele nicht mehr über die finanziellen Mittel verfügen, die Tiere zu unterhalten, lässt Maria Rosa González nicht gelten. In den Zeiten, als die Wirtschaft blühte, wurden die Tiere ebenso wenig wie Lebewesen behandelt, sondern wie Dinge, die man bei Nichtgefallen einfach weggeworfen hat. Für sie ist es nicht die Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der fehlenden Werte, die Menschen dazu bringt, andere Lebewesen so zu behandeln. Nur indem man schon Kindern beibringt, das Leben jeglicher Kreatur zu achten, ist es möglich, eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen zu bewirken. Aber woher sollen die Kinder es lernen, wenn ihnen die Erwachsenen ein derart verantwortungsloses Handeln vorleben, das jeden Respekt vor der Kreatur vermissen lässt.

Nur junge und schöne Tiere haben eine Chance

Und so werden in Bañaderos auch in der nächsten Zeit die meisten der Tiere, die hier landen, mit der Giftspritze im Nacken enden. Im vergangenen Jahr haben es gerade mal 1.786 von 5.050 geschafft, eine neues Zuhause zu finden. Wer allerdings nicht der gerade aktuellen Mode entspricht oder schon etwas älter ist, hat am Ende keine Chance, seinem Schicksal zu entkommen. Da kann der Charakter noch so gut sein, wer nicht gut aussieht, bleibt zurück.

Bevor Sie also darüber nachdenken, sich einen Hund oder eine Katze zuzulegen, schauen Sie doch mal in Bañaderos vorbei. Maria Rosa González würde sich freuen, und Sie würden bestimmt einen treuen Begleiter finden, der Ihnen sein Leben lang dankbar sein wird dafür, dass er vor der Spritze gerettet wurde.

Kommentare

Kommentar von Köhler |

Ich fliege fast jedes Jahr nach Teneriffa und liebe diese Insel sehr.
Ich wünsche den Spaniern und insbesondere den Karanieros, dass sie wegen der Euro Krise ihre Natur nicht an internatinale Geldhaie verscherpeln müssen. Ich hoffe, dass sie viele, auch deutsche Mitstreiter finden.

Viele Grüße

J.Köhler

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