von Thomas Vollmer (Kommentare: 0) in Kategorie » Gran Canaria «

Club Puerto Atlántico vor dem Aus?

In der vergangenen Woche gab es wegen des Verdachtes auf betrügerische Machenschaften eine massive Polizeiaktion. Wir wir berichteten richtete sich die Aktion gegen die Verkaufsorganisation des deutschen Unternehmers Eugen Kaiser. Der ehemalige Direktor der größten Time-Share-Anlage auf Gran Canaria, Anfi del Mar, ist bereits seit 30 Jahren im Geschäft mit Produkten aus dem Tourismusbereich vertreten. Über Sinn und Unsinn dieser Produkte hat man schon viel diskutiert. Manches an sich gute Produkt ist durch aggressive Verkaufsmethoden im Verruf, illegal zu sein. Verkaufsmethoden, die weniger auf die Bedürfnisse der Kunden, als auf das schnelle Geld für die Verkäufer ausgerichtet waren. Gewarnt wurde schon immer vor jungen Menschen, die arglose Opfer auf der Straße ansprechen. Sie verführen arglose Touristen mit Rubbellosen und anderen Tricks in stundenlange Verkaufsgespräche. In ausgeklügelten Verkaufstouren durch Hotelanlagen machen psychologisch geschulte Verkäufer Druck auf die unfreiwilligen Kunden. Bis diese schließlich dubiose Urlaubspakete oder Time-Share-Anteile gekauft haben.

Geschäft kam zum Erliegen

Allen Warnungen zum Trotz gab es aber scheinbar immer noch genügend Menschen, die sich auf derartige Veranstaltungen eingelassen haben. Damit ist es jetzt, zumindest bei den Unternehmen, die zur Gruppe Puerto Atlántico gehören, zunächst einmal vorbei. Auf Grund des breiten Medienechos, das die Razzia der vergangenen Woche auch außerhalb Spaniens ausgelöst hat, ist das Geschäft mit den Urlaubspaketen komplett zum Erliegen gekommen. Damit hätten Kaisers Konkurrenten, die nach Ansicht des Tourismusunternehmers hinter der Aktion standen, eines ihrer Ziele erreicht. Nämlich ihn aus dem Markt zu drängen.

Alle 76 Verhafteten der vergangenen Woche befinden sich wieder auf freiem Fuß. Der zuständige Richter hat der Polizei und den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Versäumnisse vorgeworfen. Dadurch sind potenzielle Kunden gewarnt und lassen sich nicht mehr so leicht in eine Verkaufsveranstaltung drängen. Die Folge ist, dass nun 68 Beschäftigte, darunter auch viele Deutsche, Österreicher, Engländer und Skandinavier, entlassen wurden. Für sie gibt es schlicht und einfach keine Arbeit mehr. Keine Kunden bedeuten keine Verkaufstouren, keine Abschlüsse und letztlich eben auch kein Geld. Allein an dem Tag der Razzia, als alle Verkaufsaktivitäten blockiert waren, soll nach Firmenangaben ein Verlust von 170.000 Euro entstanden sein.

Eugen Kaiser präsentiert sich als Opfer

Bei einer Betriebsversammlung, zu der auch Pressevertreter eingeladen waren, gab man die Entlassungen öffentlich bekannt. Einmal mehr stellte sich Eugen Kaiser dabei als Opfer der Konkurrenz dar, die, angeführt von Alberto García, dem Chef der Organisation Mindtimeshare, schon seit Jahren versuche, unliebsame Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Durch die Razzia und die damit verbundenen Presseberichte ist ihnen dies nun scheinbar gelungen. Nicht nur das Ausbleiben der Kunden, sondern auch die angeblich immer noch andauernde Traumatisierung der Angestellten durch die vorübergehende Verhaftung hätten dazu geführt, dass sich der Unternehmer gezwungen sah, diesen drastischen Schritt zu gehen. Nach eigenen Angaben hängt das Einkommen von bis zu 2.000 Familien an den Aktivitäten seiner Firmen.

In Arguineguín und Tauro, wo sich die Büros der Verkaufsorganisation befinden, haben sich die Taxifahrer bereits mit dem deutschen Unternehmer solidarisiert. Für sie bedeutet das vorläufige Aus ebenfalls erhebliche Einnahmeverluste, da sie es waren, die vermeintliche Rubbellosgewinner von der Straße in die Verkaufssalons gebracht haben. Ein lohnendes Geschäft, das nun in dem gewohnten Umfang nicht mehr vorhanden ist. Pro Jahr waren etwa 10.000 Fuhren im Wert von etwa 350.000 Euro geordert worden.

Ungewisse Zukunft

Wie es in der Zukunft mit dem Club Puerto Atlántico und den zahlreichen Tochtergesellschaften weitergehen wird, ist bislang noch nicht zu erkennen. Als sicher dürfte jedoch betrachtet werden, dass auch nach diesem Rückschlag ein neues Konzept gefunden wird, um das Geld, das in diesem Geschäft zu verdienen ist, nicht anderen zu überlassen. Vielleicht schafft man es ja diesmal, mehr Transparenz zu schaffen. Weniger undurchsichtige Verträge und weniger aggressive Verkaufsmethoden wären ein erster Schritt, das arg ramponierte Image etwas aufzupolieren. Dazu müssten die Verantwortlichen aber zumindest zeitweise bereit sein, auf das schnelle Geld mit den Touristen zu verzichten. Ob dies aber wirklich gewünscht ist, darf heftig bezweifelt werden.

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