von Thomas Vollmer (Kommentare: 1) in Kategorie » Gran Canaria «

Aus Zwei mach Eins

Die ehemalige Landstraße GC-500 zieht sich durch die beiden an der Küste gelegenen Ortsteile von San Bartolomé de Tirajana wie eine scharfe Trennlinie zwischen zwei Welten. Zum Meer hin finden sich Hotels, Touristenlokale und Strandpromenaden, in Richtung Berge sind es eher Apartmenthäuser und Reihenhaussiedlungen, die man einst errichtet hat, um denjenigen eine Wohnung zu geben, die sich tagtäglich um die Belange und Wünsche der stetig wachsenden Urlauberschar kümmern sollten. Auf der einen Seite die heitere Urlaubswelt, auf der anderen die Schlafstadt für die Angestellten, getrennt durch eine mehrspurige und vielbefahrene Landstraße.

Trennung wird überwunden

Die Zeiten haben sich geändert, die Trennung ist nicht mehr so strikt wie in früheren Jahren. Die guten Geister aus den Hotels und Restaurants nutzen heute die Freizeitmöglichkeiten in Playa del Inglés genauso wie die Touristen, und die Urlauber unternehmen nicht selten auch mal ganz gerne einen Ausflug auf die andere Seite der Straße.

Die großen Supermärkte im Wohngebiet von San Fernando bieten in der Regel eine größere Auswahl zu günstigeren Preisen als die kleinen Tante-Emma-Läden in den Touristengebieten. Für viele Kurzzeitcanarios Grund genug, sich einmal aus ihrem angestammten Revier heraus zu begeben.

Was sich jedoch in all den Jahren nicht geändert hat, ist die breite Straße und ihre nicht gerade attraktive direkte Umgebung. Doch das soll sich jetzt endlich ändern. Nicht nur die Bewohner von San Fernando sehnen sich seit geraumer Zeit nach einer ansprechenderen Gestaltung der Übergangszone. Auch aus Kreisen der Vertreter der Tourismusindustrie und anderer Wirtschaftszweige wurde der Ruf nach einer städtebaulich sinnvollen Lösung für die überkommene Demarkationslinie immer lauter.

Studenten sollen Vorschläge ausarbeiten

Im Rathaus der Gemeinde blieben diese Forderungen lange ungehört. Nun allerdings kündigte Bürgermeister Marco Aurelio Pérez an, dass man sich des Problems endlich annehmen werde. In großer Übereinstimmung mit den anderen Fraktionen im Gemeinderat hat man die Architekturschule an der Universität Las Palmas beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, wie man die Zone sinnvoll und ansprechend gestalten kann. Die Studenten des Fachbereichs Expresión Gráfica y Proyectos sollen unter der Leitung von Professor José Antonio Sosa etwa 30 unterschiedliche Vorschläge ausarbeiten, in denen außer rein optischen Gesichtspunkten auch städtebauliche Aspekte zu berücksichtigen sind. Die überzeugendste Lösung der Studenten verwirklicht man dann möglichst zeitnah.

Die alte Landstraße soll dabei aber erhalten bleiben. Es geht in erster Linie darum, eine attraktive Anbindung zu schaffen, die sich allerdings nicht in der Gestaltung von hübschen Fußgängerbrücken erschöpfen soll. Gefragt ist ein ganzheitlich sinnvolles Konzept, das geeignet ist, aus zwei unterschiedlichen Ortsteilen ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Über die Kosten des Projekts wurde bislang nur verlautbart, dass die Universität für ihre Bemühungen lediglich 3.000 Euro bekommen wird, eine Summe, für die professionelle Stadtplanungsbüros wahrscheinlich noch nicht einmal die Auftragsbeschreibung studieren würden. Durch die Zusammenarbeit mit den Studenten bekommen diese die Möglichkeit, ihre Kreativität zu beweisen und sich erste Lorbeeren zu erarbeiten. Für die Gemeinde liegt der Vorteil nicht nur in den geringen Kosten, sondern auch in den sicherlich erfrischend anderen Konzepten der jungen Leute.

Kommentare

Kommentar von Andreas Sunder |

Sehr informativ!

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